Pflegeeltern werden im Landkreis gut vorbereitet: „Und auf einmal sind wir Pflegeeltern“

[04.02.2017]

Altenburg. „Und auf einmal sind wir Pflegeeltern“ – so erging es vielen Pflegefamilien des Landkreises Altenburger Land, die durch die Fachkräfte des Pflegekinderdienstes betreut werden. Aktuell leben ca. 100 Pflegekinder in 85 Pflegefamilien im Landkreis. Der Bedarf an Pflegefamilien kann aber bei Weitem nicht mehr gedeckt werden. Die Mitarbeiter des Pflegekinderdienstes laden regelmäßig zu Informationsveranstaltungen ins Jugendamt ein, um die Thematik rund um das Pflegekind öffentlich zu machen und das Interesse möglicher Bewerber zu wecken.

Teil dieser Veranstaltungen ist unter anderem auch der Erfahrungsaustausch mit langjährigen Pflegeeltern, beispielsweise mit Pflegemutti Brigitte Vogel*. Es ist mucksmäuschenstill im Raum, als sie von der „Geburtsstunde“ ihres Pflegekindes vor mittlerweile sieben Jahren berichtet. Und diese wird mit einem Telefonklingeln eingeläutet: „Wir würden Ihnen gern ein Pflegekind vermitteln, sind Sie bereit?“, erinnert sich Vogel an die vertraute Stimme des Jugendamtes am Ende der Leitung. „Na klar, wir sind darauf eingestellt!“, lautete ihre spontane Antwort. Doch als der Telefonhörer wieder auflag, zitterten die Knie doch ein wenig. „Die Uhren drehen sich von einen Moment zum anderen anders“, berichtet die mittlerweile erfahrene Pflegemutter von dem Lebenseinschnitt, der sich eben nicht neun Monate mit dem Beginn einer Schwangerschaft ankündigt.
Saskia Liebig* hat in den letzten Jahren bereits 17 Pflegekinder betreut. Sie macht sogenannte Bereitschaftspflege und nimmt in akuten Situationen spontan auf, um dann nach der Entscheidung des Jugendamtes oder des Familiengerichts die Mädchen und Jungen wieder nach Hause, in eine andere Pflegefamilie oder eine Wohngruppe zu übergeben. In den letzten sechs Jahren hat sie so 17 Kinder in Not kennengelernt, die alle einen eigenen Platz in ihrem Fotoalbum gefunden haben.
Pflegeeltern brauchen Pflegeelternschulungen und eine gute Vorbereitung auf die Aufgabe, denn mit der Aufnahme eines Pflegekindes in die eigene Familie verändert sich der bisherige Alltag. Pflegekinder bringen ihre eigene Geschichte mit, ihre Vorerfahrungen, oft Vernachlässigungen, Misshandlungen und Missbrauch. Ein einfaches „Ja, das schaffen wir schon“ reicht nicht als schnelle Antwort. Pflegeeltern benötigen viel Zeit, Liebe, Geduld, Kenntnisse, ein „Auf das-Kind-einlassen-können“ und Vieles mehr.
Treffen mit anderen Pflegeeltern können hierbei sehr hilfreich und gewinnbringend sein. Zukünftige Pflegeeltern müssen bei der Aufnahme eines Kindes sehr ehrlich mit sich sein und prüfen, ob der „Funken“ zum Kind wirklich überspringt, raten gestandene Pflegeeltern. Eine klare Entscheidung unterstützt das Jugendamt in seiner Arbeit.
Angehende Pflegeeltern durchlaufen ein vielschichtiges Prüfungsverfahren. Die erste formale Hürde ist immer die Prüfung der wirtschaftlichen, persönlichen und häuslichen Verhältnisse sowie eines Gesundheits- und Führungszeugnisses. In Stufe zwei folgt die fachliche Vorbereitung mit rechtlichem und psychologischem Grundwissen im Spannungsfeld der Kindeswohlinteressen zwischen Herkunftsfamilie und der Pflegefamilie.
Haben Sie Interesse daran, mehr über dieses Thema zu erfahren? Würden Sie ein Pflegekind bei sich aufnehmen? Gern lädt das Jugendamt Sie zu einem Informationsgespräch ein. Angesprochen sind Personen oder Paare jeden Alters, insbesondere auch Ältere, die sich vorstellen können, Kinder im Rahmen der Bereitschaftspflege vorübergehend bei sich aufzunehmen.

* Namen geändert

Kontakt:
Martina Fischer
Telefon: 03447 586-533
E-Mail: martina.fischer@altenburgerland.de

Josephine Herbst
Telefon: 03447 586-535
E-Mail: josephine.herbst@altenburgerland.de

Linda Roschinsky
Telefon: 03447 586-567
E-Mail: linda.roschinsky@altenburgerland.de

↑ nach oben

Kontaktdaten
Landratsamt Altenburger Land
Lindenaustraße 9
Telefon: 03447 586-0
Telefax: 03447 586-100
E-Mail:landratsamt@altenburgerland.de
Pressesprecherin: Jana Fuchs
Telefon: 03447 586-273
Telefax: 03447 586-277
E-Mail:oeffentlichkeitsarbeit@altenburgerland.de
Weitere News...
„Macht und Pracht“ zum Denkmaltag
Sperrmüll: Hohe Strafen bei zu frühem Bereitstellen // Bioabfälle in der Biotonne sammeln ist Pflicht
Studie zum Suchtverhalten von Jugendlichen im Altenburger Land: Crystal Meth ist nicht nur eine Großstadtdroge
Infoveranstaltung zur Rechtssprechung in Vereinsarbeit
Neuer Kurs zur musikalischen Früherziehung und Schüler für Chor gesuchtChor
Landrätin wünscht guten Start ins neue Schuljahr
Familienkonzert im Agnesgarten
An diesen Landkreis-Schulen wird gebaut
Biotonnen bitte immer leeren lassen
Dr. Roland Krischke stellt Zukunftsvision fürs Lindenau-Museum vor: „Kein Botticelli ohne Bienenstich“