Der Fachdienst Gesundheit des Landratsamtes informiert: Erst impfen, dann den Urlaub genießen

[06.06.2017]

Landkreis. Sommerzeit ist Reisezeit. In vielen europäischen und nicht europäischen Ländern kursieren Krankheiten, gegen die unser Immunsystem nicht so ohne weiteres gerüstet ist. Entsprechende Impfungen vor Reiseantritt sind oft lebenswichtig. Die wichtigsten Fakten zum Thema Reiseimpfungen hat der Fachdienst Gesundheit des Landratsamtes für die Amtsblatt-Leser zusammengestellt.

Wogegen sollten sich Reisende impfen lassen, die in Europa unterwegs sind?

Grundsätzlich sollte man zuerst einmal alle Basisimpfungen haben. Dazu gehören die Schutzimpfungen gegen Diphtherie, Tetanus und Keuchhusten, die nicht länger als 10 Jahre zurückliegen sollten. Kinder, Jugendliche und Frauen sollten außerdem gegen Masern, Mumps, Röteln (MMR-Impfung) und Windpocken geschützt sein. Die MMR-Impfung wird außerdem für alle nach 1970 geborenen Erwachsenen mit unzureichendem Impfschutz empfohlen.

Bei Reisen innerhalb Europas sollte man seinen Impfschutz überprüfen und fehlende Impfungen auffrischen lassen. Abhängig vom Reiseziel werden für einige Länder zu-sätzliche Impfungen empfohlen. Beispielsweise ist in Italien und in der Türkei das Risiko an Hepatitis A (Infektiöse Gelbsucht) zu erkranken wesentlich höher als in Deutschland. Ebenso kommt in bestimmten Gebieten in Nord- und Osteuropa sowie in der Alpenregion die durch Zecken übertragene Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) vor. Auch ist das Tollwutvirus nach wie vor, vor allem in Osteuropa und in Indien, weit verbreitet. Impfungen gegen Mumps, Masern, Röteln, Pneumokokken, Meningikokken und Influenza können unter Umständen bei aktuellen Ausbrüchen im Reiseland empfohlen werden.
Welche Impfempfehlungen gibt es für Reisen außerhalb des europäischen Kontinents? Und was ist speziell bei Reisen in tropische Gebiete zu beachten?

Diese Frage lässt sich nur individuell beantworten und hängt vom genauen Reiseziel, der Reisezeit, der gesundheitlichen Verfassung und den geplanten Aktivitäten ab. Vor Fernreisen sollte man sich unbedingt reisemedizinisch beraten lassen. Neben wichtigen Impfungen könnten auch noch weitere vorbeugende Maßnahmen wie eine Malaria-Prophylaxe notwendig sein. Wer schwere Vorerkrankungen hat, sollte sich vor geplanten Tropenreisen unbedingt beraten lassen. Spätestens vier bis sechs Wochen vor der Abreise müsste man unbedingt mit den Schutzimpfungen beginnen, da für einige Impfungen gewisse Zeitabstände einzuhalten sind. Auch wenn man spät dran sein sollte können viele Impfungen noch bis kurz vor Abreise durchgeführt werden. Es heißt immer: Angeimpft ist besser als ungeimpft.

Gibt es eine sogenannte wichtigste Impfung, die man auf jeden Fall haben sollte?

Auch hier gilt, dass unbedingt eine Impfung gegen Diphtherie, Tetanus und Keuchhusten erfolgt sein sollte, sowie bei Kindern, Jugendlichen und Frauen außerdem eine gegen Masern, Mumps, Röteln (MMR-Impfung) und Windpocken. Im internationalen Reiseverkehr können von Ländern Impfungen als Einreisevoraussetzung vorgeschrieben werden. Hier steht an erster Stelle die Impfung gegen Gelbfieber bei Reisen in ein Gelbfieber-Infektionsgebiet im tropischen Afrika oder in Südamerika. Da Gelbfieber-Erkrankungen plötzlich und nicht vorhersehbar in den Infektionsgebieten auftreten können, wird die Impfung aus medizinischen Gründen bei allen Aufenthalten in Gelbfiebergebieten empfohlen; nicht nur bei Aufenthalten in Ländern, in denen eine Gelbfieber-Impfung als Voraussetzung zur Einreise vorgeschrieben ist, sondern generell in allen Ländern, in denen ein Gelbfieber-Infektionsrisiko besteht. Die amtliche Gültigkeit beginnt 10 Tage nach der Impfung und endet nach 10 Jahren. Wenn aus medizinischen Gründen eine Impfung nicht durchgeführt werden kann, kann eine Impfbefreiung im internationalen Impfausweis ausgestellt werden.

In einigen arabischen Ländern ist zur Einreise eine Impfung gegen Meningokokken vorgeschrieben, wobei aber andere Serogruppen, nämlich A, C, W135, und Y, er-fasst sein müssen als bei der in Europa üblichen Impfung.

Wie sind die Impfungen verträglich und ab welchem Alter sollten auch Kinder geimpft werden?

Schutzimpfungen gehören zu den effektivsten und kostengünstigsten Maßnahmen zur Bekämpfung von Infektionskrankheiten. Weit über 90% aller Impfungen werden problemlos vertragen. Die gelegentlich auftretenden Nebenwirkungen bestehen in harmlosen Lokalreaktionen an der Impfstelle wie Rötung, Schwellung, und leichte Druckschmerzhaftigkeit oder in kurzzeitigem allgemeinen Krankheitsgefühl und leichtem Fieber. Vor einer jeder Schutzimpfung sollte man sich über mögliche Nebenwirkungen vom impfenden Arzt aufklären lassen.
Kinder werden nach dem Impfkalender grundimmunisiert. Impfstoffe gegen Reisekrankheiten gibt es für Kinder in entsprechenden Darreichungsformen. So sind Rei-seimpfungen möglich gegen Hepatitis A ab dem 1. Lebensjahr, gegen Typhus ab dem 2. Lebensjahr, gegen Gelbfieber ab dem 9. Lebensmonat, gegen Cholera ab dem 2. Lebensjahr, gegen FSME ab dem vollendeten 1. Lebensjahr.

Wie viele Wochen vor Reiseantritt sollten die Impfungen erfolgen? Macht eine Impfung in letzter Minute noch Sinn?

Auch auf die Schnelle lässt sich unter Umständen noch ein ausreichender Schutz erzielen. Zum Beispiel ist ein Schutz vor Tetanus, Diphtherie und Hepatitis A auch bei sehr kurzfristigem Reisebeginn möglich. Wenn eine Grundimmunisierung gegen Tetanus und Diphtherie vorliegt, kann buchstäblich in letzter Minute noch ein 100-prozentiger Schutz erzielt werden. Das gilt auch, wenn die alle zehn Jahre fällige Auffrischimpfung vergessen wurde.

Liegt das Reiseziel in Osteuropa, Asien oder Afrika, sollte gleichzeitig der Schutz gegen Kinderlähmung auffrischt werden. Dies ist möglich mit einem Kombinationsimpfstoff gegen Tetanus, Diphtherie und Kinderlähmung. Auch vor einer Hepatitis A kann man sich noch kurz vor Abflug effektiv schützen. Die erste Impfung gegen Hepatitis A bietet schon am Impftag 80-prozentigen Schutz, nach drei Wochen 100-prozentigen. Sechs bis zwölf Monate nach der Reise sollte man unbedingt an die Auffrischungsimpfung denken, um einen Schutz für mindestens 10 Jahre aufzubauen. Mindestens zehn Tage dauert es hingegen, bis der Impfschutz gegen Gelbfieber, Typhus und Meningokokken greift.

Impfungen vor Last-Minute-Reisen sind nicht möglich für Hepatitis B, Tollwut, Japanische Enzephalitis und die durch Zecken verursachte Enzephalitis FSME, da diese Impfungen eine zu lange Vorlaufzeit benötigen.

Krank im Urlaubsland – bei welchen Krankheitssymptomen sollte unbedingt ein Arzt aufgesucht werden?

Durchfall und Fieber gehören zu den häufigsten Beschwerden während einer Reise. Tritt dies gleich zu Beginn des Urlaubes auf, können veränderte klimatische Bedingungen oder ungewohnten Speisen die Ursache sein. Beim Auftreten von Fieber mit Bauchkrämpfen, schwere Durchfällen (z. B. blutig, schleimig, dünnflüssig) und ggf. Erbrechen muss unbedingt ein Arzt aufgesucht werden.

Ein ernstzunehmendes Warnzeichen ist Fieber. Tritt dies in einem Malariagebiet auf, besteht immer das Risiko einer Malariaerkrankung. Daher sollte unverzüglich ein Arzt konsultiert werden. Auch bei Einnahme einer Malariaprophylaxe sollte bei Fieber immer eine Malaria ausgeschlossen werden, da keine Malariaprophylaxe einen absoluten Schutz vor der Erkrankung garantieren kann. Ein wichtiger Hinweis ist, dass durch die Einnahme einer Malariaprophylaxe das Fieber unterdrückt werden kann, so dass die Temperaturerhöhung zunächst nicht so stark ausfällt.

Fieber in einem Nicht-Malariagebiet kann viele Ursachen haben und ist immer ein Zeichen einer Infektion. Erkrankungen durch Viren, Bakterien, Parasiten und auch Pilze können lebensbedrohlich werden. Deshalb sollte man bei anhaltendem Fieber immer zum Arzt gehen.
Auch bei einem Hitzschlag kann es zu Fieber kommen. Hier gelten die alten Hausmittel wie Wadenwickel zur wirksamen Senkung der Körpertemperatur und eine reichliche Flüssigkeitsaufnahme über Getränke.

Bestehen nach einer Tropenreise Unwohlsein, Krankheitsgefühl, Fieber, Durchfall oder eigenartige Hautveränderungen sollte man sich gleich bei einem Tropenmediziner vorstellen.

Wer berät im Altenburger Land zum Thema Reiseimpfungen?

Beratung zu Reiseimpfungen erhalten alle Interessierten von ihren Hausärzten und dem Fachdienst Gesundheit des Altenburger Landratsamtes. Die konkrete personen- und reisebezogene Impfberatung erfordert die Einsichtnahme in den Impfausweis, die Kenntnis des Reiseverlaufs und der Reisebedingungen.

Was gehört in die Reiseapotheke?

Für alle Eventualitäten ausgerüstet zu sein, ist prinzipiell nicht möglich. Man sollte sich für den üblichen Bedarf und kleinere Notfälle eine Checkliste anfertigen.

Medikamente für die Reise sollen in erster Linie dazu beitragen, leichte Beschwerden zu lindern. Auch wenn der Bezug von Medikamenten im Reiseland oftmals günstiger ist, so ist damit die Sicherheit der Wirkung des Medikamentes nicht immer gewährleistet. Insbesondere in armen Ländern kommt es häufig zu Medikamentenfälschungen. Auch Lagerungen in der Hitze oder in der Sonne können die Wirksamkeit des Medikamentes herabsetzen. Daher ist es ratsam, sich die benötigten Medikamente im Heimatland zu besorgen und auf die Reise mitzunehmen. Grundsätzlich sollte man an die regelmäßig einzunehmende Medikamente denken.

Außerdem gehört in eine Reiseapotheke: Verbandsmaterial, Fieberthermometer, kleine Schere, elastische Binde, Splitterpinzette, Einmal-Handschuhe, Mittel zur Wunddesinfektion, Antihistaminsalben gegen Insektenstichreaktionen, Augentropfen gegen Bindehautentzündung, Ohrentropfen, ein Mittel gegen Fieber und Entzündungen, ein einfaches Schmerzmittel, leichte Schlaf- und Beruhigungsmittel, Mittel gegen Durchfall, bei Bedarf Medikamente zur Malariaprophylaxe


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