Als gesetzlicher Betreuer kranken, alten oder behinderten Menschen helfen

[06.11.2017]

Landkreis. Mehr als 2.000 erwachsene Personen im Altenburger Land haben derzeit einen gesetzlichen Betreuer. Seit Jahren beläuft sich die Zahl der gesetzlichen Betreuungen für Personen über 18 Jahre auf einem hohen Niveau. Doch wann genau wird eine Betreuung angeregt? Was heißt Betreuung? Was genau tun Betreuer? Warum ist diese Arbeit vor allem im Ehrenamt so enorm wichtig? Fragen, die immer mehr Menschen beschäftigen und über die Amtsblatt-Redakteur Tom Kleinfeld mit Silke Manger, die als Fachdienstleiterin für Grundsicherung, Wohngeld und sonstige Leistungen im Landratsamt tätig ist und als solche auch die Betreuungsbehörde leitet, gesprochen hat.

Symbolbild Frau Manger, was genau bedeutet gesetzliche Betreuung?
Der Begriff Betreuung klingt wenig verständlich. Gesetzlicher Vertreter wäre die bessere Bezeichnung. Der gesetzliche Vertreter oder Betreuer vertritt Menschen, die krank, oder behindert sind und wichtige rechtliche Entscheidungen im Leben nicht mehr selbst treffen können. Der gesetzliche Vertreter/Betreuer sollte die Entscheidung so treffen, wie es der Betreute selbst auch entschieden hätte. Die Entscheidung hat sich immer am Wohl der betreuten Person zu orientieren und soll soweit möglich die Wünsche des Betreuten berücksichtigen.

Wann wird eine Betreuung erforderlich?
Eine rechtliche Betreuung wird notwendig, wenn erwachsene Menschen aufgrund einer körperlichen, geistigen oder seelischen Einschränkung wichtige Entscheidungen oder Geschäfte des Alltags nicht mehr allein eigenverantwortlich regeln können – sei es der Abschluss eines Heimvertrages oder seien es Fragen zur Gesundheit. Aber auch Geldangelegenheiten oder die Vertretung gegenüber Behörden müssen geregelt werden.

Erklären Sie das doch bitte einmal am konkreten Beispiel.
Wenn ein Mensch bei einem Arbeitsunfall so schwer verletzt wird, dass er ins Koma fällt und er damit seine eigenen Angelegenheiten – wie beispielsweise die Gesundheitsfürsorge oder Bankgeschäfte – nicht mehr selbst wahrnehmen kann. Hat der Betroffene in einem solchen Fall keine Vorsorgevollmacht abgeschlossen, wird ein gesetzlicher Betreuer über das Amtsgericht in Zusammenarbeit mit der Betreuungsbehörde des Landratsamtes – zunächst im nahen Umfeld des Betroffenen – gesucht.

Also wäre es gut, wenn jeder eine Vorsorgevollmacht hätte?
Eine Vorsorgevollmacht ist ein sehr wichtiges Dokument, um bei Krankheit, Unfall oder im Alter zu wissen, wer die Interessen für einen vertreten soll. Das muss nicht immer ein Familienangehöriger sein, sondern kann auch ein guter Freund oder der Nachbar des Vertrauens sein. Wichtig zu wissen ist, dass auch Eheleute eine Vorsorgevollmacht benötigen, um bei Bedarf handeln zu können und bei Krankheit, Unfall oder im Alter abgesichert zu sein.

Was können Menschen tun, um eine gesetzliche Betreuung zu verhindern?
Jeder Bürger sollte rechtzeitig, das heißt in guten, gesunden Zeiten, über eine Vorsorgevollmacht nachdenken und Menschen des Vertrauens mit dieser Angelegenheit betrauen. Denn nur, wer über eine Vorsorgevollmacht verfügt, kann im Ernstfall eine rechtliche Betreuung über das Amtsgericht vermeiden.

Helfen die Mitarbeiter der Betreuungsbehörde auch bei der Formulierung solcher Vollmachten?
Es gibt bestimmte Vordrucke, auf die wir aufmerksam machen und darüber beraten wir auch. Konkrete Hilfe bei der Formulierung und Abfassung von Vorsorgevollmachten gehört hingegen nicht zu den Aufgaben der Betreuungsbehörde. Sollten Haus- und Grundstücksangelegenheiten mit betroffen sein, muss man sich bei einem der örtlichen Notare Hilfe und Beratung einholen.
Darüber hinaus beglaubigen die Mitarbeiter der Betreuungsbehörde Unterschriften und Handzeichen unter Vorsorgevollmachten und Betreuungsverfügungen gemäß dem Betreuungsbehördengesetz. Mit der Unterschriftbeglaubigung wird die Rechtswirkung von vorsorgenden Verfügungen gestärkt.

Was für Menschen sind das, die zum gesetzlichen Betreuer berufen werden?
Sie müssen mindestens 18 Jahre alt sein und kommen aus den unterschiedlichsten Berufszweigen oder sind bereits im Rentenalter. Unterschieden wird zwischen Berufsbetreuern und ehrenamtlichen Betreuern. Wie in vielen Bereichen des Lebens arbeiten die ehrenamtlichen Betreuer mit einer Art Aufwandspauschale pro zu betreuender Person. Um Berufsbetreuer zu werden, ist ein Antrag beim Amtsgericht erforderlich und es muss nachgewiesen werden, in der Regel neun bis zehn laufende Betreuungen aktuell zu haben.

Welche Voraussetzungen sollten künftige ehrenamtliche Betreuer mitbringen?
Wir sind immer auf der Suche nach Interessenten, die sich vorstellen können, eine ehrenamtliche Betreuung zu übernehmen. Eine bestimmte Berufsausbildung ist nicht notwendig, nur eine persönliche Eignung. Betreuer müssen
u. a. über die unbeschränkte Geschäftsfähigkeit verfügen und in geordneten wirtschaftlichen Verhältnissen leben. Wichtig sind auch Fähigkeiten zu förmlichem Schriftverkehr und zur Dokumentation der Betreuungsarbeit und die Einhaltung des Datenschutzes. Neben telefonischer und persönlicher Erreichbarkeit eines Betreuers sollte die Bereitschaft vorhanden sein, sich fortzubilden und die verschiedenen Unterstützungssysteme für kranke, alte, sozial schwache und behinderte Menschen zu kennen. Perfekt sind auch persönliche Kompetenzen wie Rollenbewusstsein, Durchsetzungsvermögen, Empathiefähigkeit und Frustrationstoleranz.

Was muss ich tun, wenn ich rechtlicher Betreuer werden möchte?
Wir freuen uns über Jeden, der alten, kranken oder behinderten Menschen gern helfen möchte. Denn genau das ist Aufgabe der rechtlichen Betreuer. Zunächst einmal reicht ein schriftlicher oder telefonischer Kontakt zu uns als Betreuungsbehörde. Alles Weitere wird in einem anschließenden persönlichen Gespräch erörtert.

Vielen Dank für das Gespräch.

Wir haben Ihr Interesse geweckt? Dann melden Sie sich bei der Betreuungsbehörde mit Sitz im Vorderhaus der Lindenaustraße 31 in Altenburg unter Tel. 03447 586-780 oder -802.

Tom Kleinfeld
Öffentlichkeitsarbeit

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Kontaktdaten
Landratsamt Altenburger Land
Lindenaustraße 9
Telefon: 03447 586-0
Telefax: 03447 586-100
E-Mail:landratsamt@altenburgerland.de
Pressesprecherin: Jana Fuchs
Telefon: 03447 586-273
Telefax: 03447 586-277
E-Mail:oeffentlichkeitsarbeit@altenburgerland.de
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