Menschen im Altenburger Land gedenken heute den Opfern der Reichspogromnacht

[09.11.2017]

Altenburg. Am heutigen 9. November gedenken die Menschen in Deutschland der Reichspogromnacht. In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938, auch Reichskristallnacht oder Reichspogromnacht genannt, gab es im gesamten Deutschen Reich seitens des nationalsozialistischen Regimes zahlreiche organisierte Gewaltmaßnahmen gegen Juden. Bis zum 13. November wurden rund 400 Menschen ermordet, unzählige Synagogen und Versammlungsräume sowie tausende Geschäfte, Wohnungen und jüdische Friedhöfe zerstört, auch im Altenburger Land. Ab dem 10. November wurden 30.000 Juden in Konzentrationslagern inhaftiert, von denen Hunderte ermordet wurden oder an den Haftfolgen starben. Auch nach fast acht Jahrzehnten gibt es für diese Verbrechen kein Vergessen. Im Altenburger Land gedenken heute viele Menschen den Opfern der Pogromnacht. An der Gedenktafel in der Pauritzer Straße in Altenburg findet heute Nachmittag um 16 Uhr eine Gedenkveranstaltung statt.

Im Vorfeld der heutigen Gedenkveranstaltung sagte Landrätin Michaele Sojka: „Wir erinnern hier in Altenburg ganz bewusst jedes Jahr an die Pogromnacht und treten dafür ein, dass sich dieses traurige Kapitel unserer Geschichte niemals wiederholt. Uns muss erschrecken und beschämen, dass jüdische Einrichtungen in Deutschland heute noch immer nicht sicher vor Anschlägen sind und auch, dass sich jüdische Mitbürger wiederholt dummen Pöbeleien ausgesetzt sehen. Wenngleich dies scheinbar Einzelfälle sind – wir können das nicht hinnehmen oder gar übersehen. Menschlichkeit muss erlernt und vor allem auch gelebt werden. Ich bin sehr froh darüber, dass sich in unserem Landkreis und vor allem auch in der Stadt Altenburg wieder viele Menschen dafür engagieren, Menschlichkeit zu vermitteln und vor allem etwas dafür zu tun, dass insbesondere das Schicksal der Juden in Altenburg nicht in Vergessenheit gerät. Unser Altenburger Schauspiel am Landestheater erzählte auf Grundlage einer umfangreichen Forschungsarbeit des Altenburgers Christian Repkewitz im Sommer mit "Cohn Bucky Levy – Der Verlust" die Geschichte dreier jüdischer Familien, die seit Ende des 19. Jahrhunderts in unserer Stadt lebten. Ensemblemitglieder, darunter israelische und palästinensische Künstler sowie Ehrenamtliche der Altenburger Mitspielerakademie, begaben sich auf die Spurensuche. Es ging um Verlust und darum, was es bedeutet, ganz selbstverständlich in einer Gesellschaft zu leben und plötzlich abgesondert und ausgestoßen zu werden. Es ging um den Verlust von Heimat, aber in der Perspektive auch um den Verlust, den wir in Deutschland erlitten haben, als ein Teil unserer Mitbürger vertrieben und ermordet wurde.“

Weiter sagte die Landrätin: „Wir müssen täglich beweisen, dass Hass und Gewalt das Klima in unserem Land nicht bestimmen. Jeder, der mit oder bei uns lebt, muss wissen, dass er willkommen ist, sich auf uns verlassen und uns vertrauen kann. Auch das muss und darf keine Floskel bleiben, sondern erlebbar sein. Dafür trägt jeder von uns ein Stück Verantwortung im täglichen Leben. Der gegenseitige Umgang miteinander wird in unserem Land leider aber rauer. „Besser zuzuhören“ ist eine Erkenntnis, die die vergangene Bundestagswahl gebracht hat und ich hoffe sehr, dass die regierenden Parteien auf Bundesebene endlich geeignete Konzepte und Antworten auf die sozialen Fragen unserer Zeit finden, insbesondere hier in Ostdeutschland. Altersarmut, Langzeitarbeitslosigkeit und geringe Löhne sind mehr als ein Vierteljahrhundert nach der Wende und sprudelnden Steuereinnahmen in Deutschland für mich einfach nicht mehr hinnehmbar. Was wir vor allem brauchen: Eine bessere Bildung sowie ausreichend Pädagogen. Denn gerade für die Bildungsarbeit bleibt Antisemitismus eine Herausforderung - damit schlussendlich eben nicht denen blind hinterhergelaufen wird, die am lautesten und vielleicht publikumswirksamsten schreien und mit Emotionen und vor allem den Ängsten der Menschen spielen.“

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