Starke Verwehungen und Technikausfälle

[23.01.2011]

Kreisstraßenmeisterei erledigt Winterdienst auf 271 Kilometern Straßen im Altenburger Land

So viel Schnee wie im Dezember 2010 gab es im Altenburger Land seit vielen Jahren nicht mehr. Auch für die Kreisstraßenmeisterei des Landkreises war dies mit gewaltigen Anstrengungen verbunden. Die 16 Mitarbeiter sind für die Räumung von 216 Kilometern Kreisstraße, einschließlich 63 Kilometern Ortsdurchfahrten sowie weiteren 55 Kilometern von Städten und Gemeinden im Altenburger Land zuständig. Über die Herausforderungen der letzten Wochen, die Organisation des Winterdienstes und warum der Schnee gerade auf Kreisstraßen besonders lange liegt, dazu sprach Amtsblatt-Redakteurin Silke Manger mit dem Technischen Werkleiter des Dienstleistungsbetriebes Abfallwirtschaft/Kreisstraßenmeisterei des Landkreises (DbAK), Frank Schmutzler.

Alle sieben Winterdienstfahrzeuge der Kreisstraßenmeisterei sind mit guter Computertechnik ausgestattet. Damit kann der technische Werkleiter Frank Schmutzler mit nur einem Mausklick im Büro sehen, mit viel Stundenkilometer die Fahrzeuge die Kreisstraßen bzw. Ortsdurchfahrten räumen, auf welcher Strecke sie sich gerade befinden, wie viel Salz ausgebracht wurde bzw. wie oft pro Tag geräumt bzw. gestreut wurde. Herr Schmutzler, die letzten Wochen waren für Sie und Ihre Mitarbeiter nicht gerade einfach. Wo lagen die größten Schwierigkeiten?

Frank Schmutzler: Der letzte Dezember war für alle am Winterdienst Beteiligten ein echter Kraftakt. Vor allem die extremen Wetterbedingungen haben uns vor große Herausforderungen gestellt. Probleme gab es hauptsächlich mit der Technik. Unsere sieben Winterdienstfahrzeuge wurden für mittlere Schneelagen angeschafft, das hat den Vorteil, dass wir sie ganzjährig nutzen können. Im Winter zum Schnee räumen und im Sommer zum Rasen mähen. Bei den Witterungsbedingungen, wie sie Ende Dezember herrschten, hatten wir vor allem mit Elektronikausfällen zu kämpfen. Zwar hat das uns nicht in der Räum- und Streuleistung beeinträchtigt, es erschwert uns aber die Abrechnung mit den Städten und Gemeinden. Negativ wirkte sich aus, dass auch die 10 Kilometer Schneezäune auf unseren Kreisstraßen irgendwann ihre Funktion erfüllt hatten. Obwohl wir ein sehr teures System (1 Kilometer kostet 10.000 Euro) für mittlere und höhere Lagen verwenden, war der Schnee so hoch, dass dieser später durch den Wind über die Zäune hinweg geblasen wurde. Hinzu kam die ständig wechselnde Windrichtung. Trotzdem ist es finanziell als auch personell nicht machbar, an allen kritischen Stellen entlang der Kreisstraßen Schneezäune aufzustellen.
Die Mitarbeiter beim Beladen der Fahrzeuge mit Feuchtsalz. Die Mitarbeiter beim Beladen der Fahrzeuge mit Feuchtsalz. Die Bürger schimpfen, wenn Ihnen ein Schneepflug mit angehobenem Schild entgegenkommt, obwohl die Straße kaum passierbar ist. Was können Sie dazu sagen?

Das Problem liegt in der unterschiedlichen Zuständigkeit der Straßenabschnitte. In unserem Landkreis ist für die Autobahnen die Autobahnmeisterei verantwortlich. Die Bundes- und Landesstraßen liegen in Zuständigkeit des Straßenbauamtes Ostthüringen. Wir als Dienstleistungsbetrieb räumen und streuen die Kreisstraßen. Für die Gemeindestraßen ist die jeweilige Stadt- oder Gemeindeverwaltung verantwortlich. Leider gibt es kein übergeordnetes Leitorgan, welches diese unterschiedlichen Winterdienste koordiniert. Wenn jedoch Extremwetterlagen wie um die Feiertage herum herrschen, gibt es einen unabgesprochenen Ehrencodex zwischen den Verantwortlichen, den Schneepflug auch auf den Straßen unten zu lassen, für die man nicht zuständig ist. Für meine Mitarbeiter kann ich das nur bestätigen, da ja auch wir bestrebt sind, sicher auf die zu räumenden Straßen zu kommen. Bei normalen Witterungsverhältnissen wird aber auf fremden Strecken kein Winterdienst durchgeführt, denn jeder Fremdkilometer führt zum Verschleiß der Technik und die finanziellen Spielräume sind sehr eng.
Kreisstraße K 528 zwischen Kleintauscha und Hartha Kreisstraße K 528 zwischen Kleintauscha und Hartha Viele Bürger sind der Meinung, auf einigen Strecken wird nur sporadisch geräumt. Können Sie das für die Kreisstraßen bestätigen?

Winterdienst bleibt grundsätzlich immer ein Kompromiss zwischen den Wünschen der Verkehrsteilnehmer, dem Machbaren der Winterdienste und den Anforderungen an den Umweltschutz. Unser Auftrag ist, die Kreisstraßen in einem befahrbaren und relativ verkehrssicheren Zustand zu halten, auch bei extremen Wetterlagen. Bei einem normalen Winterverlauf liegen die Umlaufzeiten auf Kreisstraßen bei 3 Stunden und bewegen sich damit völlig konform mit den für den Winterdienst geltenden Richtlinien. Schwierig wird die Situation, wenn bei extremen Witterungsverhältnissen mit Starkverwehrungen unsere Fahrzeuge durch technische Defekte ausfallen, selber in den Straßengraben rutschen oder durch liegengebliebene Autos anderer Verkehrsteilnehmer die Umlaufzeiten nicht mehr gehalten werden können. Dann müssen die Touren sofort neu koordiniert und von anderen Mitarbeitern mit abgedeckt werden und dementsprechend erhöhen sich die Umlaufzeiten. An einigen Tagen im Dezember 2010 kam es vor, dass unsere Räum- und Streufahrzeuge gefahren sind und 20 Minuten später derselbe Zustand wie vorher herrschte.
Gab es in Ihrer Zuständigkeit Straßen, die bei einer extremen Wetterlage, z. B. am 16. Dezember 2010, besondere Probleme bereitet haben?

Bei Dauerschneefall räumen wir die Kreisstraßen pro Tag 4- bis maximal 6-mal. Bei außergewöhnlichen Wetterlagen wie im Dezember ist es aufgrund von Technikausfällen vorgekommen, dass einige Straßen nur einmal beräumt wurden. Wenn wir feststellen, dass wir mit unseren Fahrzeugen Strecken nicht mehr geräumt bekommen, dann aktivieren wir sofort unsere vertraglich gebundenen Firmen. Diese sitzen meist vor Ort und können sofort eingreifen. Diese Firmen, darunter Landwirtschaftsbetriebe, Baufirmen und Dienstleistungsunternehmen, räumen dann ihre vertraglich gebundenen Streckenabschnitte regelmäßig meist in der Zeit von 22 abends bis 4 Uhr morgens, aber auch darüber hinaus. So konnte beispielsweise die Kreisstraße zwischen Wildenbörten und Dobra in einem befahrbaren Zustand gehalten werden. Allein hier hat eine Fremdfirma vom 2. bis 25. Dezember 2010 für die Räumung und Freihaltung 30 Stunden erbracht. Deshalb gilt an dieser Stelle nicht nur meinen Mitarbeitern, sondern auch diesen 14 Firmen im gesamten Landkreis mein ganz besonderer Dank.

Probleme gab es in den letzten Wochen auch mit zu viel Schnee, der in den Straßen der Städten und Gemeinden liegt. Wer ist dafür verantwortlich?

Die Arbeit der Kreisstraßenmeisterei bezieht sich auf das Räumen und Streuen der vertraglich gebundenen Ortsdurchfahrten im Zuge von Kreisstraßen in den Städten und Gemeinden. Ein Beseitigen der Randwelle innerhalb der Ortslagen ist nicht Bestandteil unserer Verträge. Dies ist eine Reinigungsaufgabe, die gemäß Thüringer Straßengesetz bzw. laut den örtlichen Satzungen in der Verantwortung der einzelnen Städte und Gemeinden liegt.

Immer wieder gibt es auch die Frage, warum der Schnee bzw. das Schneemehl auf den Kreisstraßen besonders lange liegt?

Das ist vor allem dem zu geringen Verkehrsaufkommen auf den Kreisstraßen geschuldet. Das Feuchtsalz, welches wir zum Streuen einsetzen, hat die Aufgabe, den Schnee bzw. das Eis auf den Straßen aufzutauen. Dieser chemische Prozess kann nur dann wirken, wenn die physikalischen Voraussetzungen wie Wärme oder Reibung vorhanden sind. Da das Verkehrsaufkommen auf den Kreisstraßen zu niedrig ist, kommt dieser chemische Prozess nur schwer in Gang.

Vielen Dank für das Interview!

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Bereich Kreisstraßenmeisterei
Werkleiter: Frank Schmutzler
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Telefon: 03447 894041-43
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