Grundschule INSOBEUM Rositz führt Projekt zur gesunden Ernährung durch
[25.06.2012]
Rositz. Von Aufregung ist bei Caroline, Jimmy, Franziska und Denis rein gar nichts zu spüren. Dabei stehen die Vier kurz vor ihrer Führerscheinprüfung. Keine verschwitzten Hände, kein hastiger letzter Blick ins Buch, kein Ich-muss-noch-mal-schnell-aufs-Klo. Alle sind sich sicher, bestens vorbereitet zu sein. Nun, auf Vorfahrtsregeln und den perfekten Schulterblick beim Wechseln der Fahrspur brauchen die Mädchen und Jungen heute noch nicht zu achten. Stattdessen darauf, beim Zubereiten eines gesunden Frühstücks und eines herzhaften Salats alles richtig zu machen. Caroline, Jimmy, Franziska und Denis legen heute ihre Prüfung zum Ernährungsführerschein ab.
In den Räumen der Klassen 3a und 3b der Grundschule Insobeum Rositz herrscht schon seit 8 Uhr Trubel. Heute liegen mal keine Bücher und Hefte auf den Schulbänken, sondern Messer und Sparschäler, Teller und Schüsseln, Frischkäse und Nudeln sowie jede Menge frisches Gemüse. Entspannt wie die insgesamt 28 Kinder sind auch die beiden Lehrerinnen Birgit Böhme und Evelyn Müller, als sie die Prüfungsbögen austeilen: Binnen einer Stunde sollen die Kinder lustige Brotgesichter und bunte Nudelsalate zubereiten. Wie das geht, haben die Mädchen und Jungen in den drei zurückliegenden Wochen bei ihren Lehrerinnen gelernt.
aid-Ernährungsführerschein heißt das bundesweite Projekt, das die Grundschüler der dritten Klassen mit dem Thema gesunde Ernährung vertraut machen soll. Seit Sommer 2009 wird dieses vom „aid Infodienst Verbraucherschutz, Ernährung, Landwirtschaft e. V.“ ins Leben gerufene und vom Verbraucherschutzministerium geförderte Projekt in Zusammenarbeit mit dem hiesigen Kreisverein der Landfrauen auch an den meisten Grundschulen im Altenburger Land erfolgreich umgesetzt.
Mehrere hundert Schülerinnen und Schüler legten seitdem ihren Ernährungsführerschein ab. Das Konzept ist ebenso einfach wie wirkungsvoll: In sechs Unterrichtsstunden lernen die Kinder die wichtigsten Küchentechniken und Hygieneregeln kennen, erfahren, was zu einer gesunden Ernährung alles dazu gehört und üben den praktischen Umgang mit Lebensmitteln und Küchenutensilien. Einem schriftlichen Abschlusstest folgt schließlich die praktische Prüfung. Ist beides bestanden, erhalten die Schüler einen richtigen kleinen Führerschein mit persönlichem Passfoto, abgestempelt von der Schule. Und eine Note fürs Fach Heimatkunde gibt’s auch noch dazu.
Die Rositzer Grundschule beteiligt sich seit 2011 am aid-Projekt und ist von dessen Nachhaltigkeit überzeugt: „Unsere Erfahrungen aus den Unterrichtsstunden des letzten Jahres haben gezeigt, dass viele Kinder ganz solide Kenntnisse in punkto Umgang mit Lebensmitteln haben. Es gibt aber auch Kinder, die oft nicht in der Lage sind, Nahrungsmittel korrekt zu benennen und einfache kleine Mahlzeiten selbst zuzubereiten; mit den Projektstunden zum Ernährungsführerschein lässt sich das ändern“, so die Rositzer Grundschullehrerin Evelyn Müller. „Zudem haben die Mädchen und Jungen wirklich Spaß am Experimentieren mit Lebensmitteln und beim Selbermachen von kleinen Gerichten und bereits nach dem ersten Projekttag haben einige Kinder begeistert erzählt, dass sie das Gelernte zu Hause sofort ausprobiert haben“, ergänzt Kollegin Birgit Böhme. Überhaut spielt das Elternhaus in der vierwöchigen Projektphase eine wichtige Rolle. „Die Eltern waren bei der Umsetzung des Ernährungsführerscheins für uns ganz wichtige Partner. Sie haben dafür gesorgt, dass die Kinder immer alle benötigten Lebensmittel und Küchenutensilien mit in der Schule hatten. Dafür gebührt allen ein großes Dankeschön“, freut sich Birgit Böhme.
Die Klassenzimmer der 3a und 3b haben sich längst in eine kleine Großküche verwandelt. In Gruppen zu je drei bis fünf Kindern wird geschält, geschnippelt, geschmiert, gerührt und gewürzt. Und natürlich gekostet. Kaum eine halbe Stunde nach Prüfungsbeginn lachen den Lehrerinnen die ersten lustigen Frischkäsebrote entgegen: Mit struppigen Schnittlauchhaaren, gurkengrünen Augen und rotem Paprikamund. Für den deftigen Nudelsalat liegen dünn geschnittene Radischenscheiben, geraspelte Möhren und kleine Käsewüfel auch schon parat. Schließlich sind Caroline, Jimmy, Franziska und all die anderen schon vor Ablauf der Prüfungszeit beim Aufräumen. Gegen halb zehn sieht es in den beiden Unterrichtsräumen aus wie bei einem professionellen Cateringservice. Dutzende in kleine Becher abgefüllte Portionen Nudelsalat und noch viel mehr bunte Brotgesichterter warten auf hungrige Mäuler. Bevor es um 9.50 Uhr zur Pause klingelt, haben die Kinder alles im Foyer des Schulhauses zum Verkauf aufgebaut. Die Mädchen und Jungen der ersten bis vierten Klassen greifen beherzt zu. Eines der letzten Brote erwischt Louis aus der 3b. „Schmeckt lecker!“, sagt er und ruckzuck ist das Brotgesicht seinen mit Frischkäse verschmierten Paprikamund los.
Jana Fuchs
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