Neues Internetportal www.kommunenonline.de ist auch über Thüringen hinaus richtungsweisend

[10.10.2006]

Altenburg. Bereits seit einigen Jahren haben sich der Landkreis Altenburger Land sowie die Städte Jena, Gera und Altenburg zu einer Kommunalen Arbeitsgemeinschaft zusammengeschlossen, um im Rahmen eines EU-geförderten Projektes ein gemeinsames Internetportal zu entwickeln. Am 15. September 2006 erfolgte im Geraer Rathaus der offizielle Start des neuen Portals www.kommunenonline.de. Damit sind erstmals in Thüringen vier unterschiedliche Gebietskörperschaften gemeinsam den Schritt in Richtung E-Government gegangen. Was das Besondere daran ist und welche Verbesserungen damit für die Nutzer verbunden sind, dazu sprach Amtsblatt-Redakteurin Silke Manger mit zwei Fachdienstleitern im Landratsamt, die den Aufbau des neuen Internetportals von Anfang an begleitet haben.

Steffen Wiegner Steffen Wiegner

Herr Wiegner, Sie haben maßgeblich an der Erarbeitung mitgewirkt, was ist das Besondere, das Innovative daran?

Steffen Wiegner, Fachdienstleiter Organisation/IT: Bei dem neuen Internetportal www.kommunenonline.de handelt es sich nicht um eine Homepage im herkömmlichen Sinne. Besonders bezeichnend für das Portal sind seine Bausteine, die im Hintergrund wirken. Konkret sind dies fünf gemeinsame zentrale EDV-Verfahren sowie eine ganze Reihe dezentraler, die durch die beteiligten vier Kommunen jeweils selbst beschafft wurden. Die 5 Zentralverfahren sind ein gemeinsames Datenbanksystem, ein Bürgerservicemodul mit Zuständigkeitsfinder und Lebenslagenausrichtung, ein elektronisches Bezahlsystem, ein Authentifizierungsverfahren mit elektronischer Signatur sowie der Formularservice. Dezentrale Module sind beispielsweise ein Stadtrats- bzw. Kreistagsinformationssystem oder das online-Fundbüro.

Ein wesentliches Ziel dieses Projektes bestand darin, den Bürgern, als auch der Wirtschaft Dienstleistungen unterschiedlicher Gebietskörperschaften mit einem Klick anzubieten. Genau hier liegt das Besondere. Das Aufgabenspektrum der beteiligten Städte und des Landkreises sind zum Teil sehr unterschiedlich. Trotzdem haben wir erreicht, dieses unter einem Portal zu bündeln. Damit ist es jetzt erstmals in Thüringen, unseres Wissens sogar deutschlandweit gelungen, dass Kommunen " von einer kreisfreien Stadt über einen Landkreis bis hin zur kreisangehörigen Stadt " gemeinsam ein solches Portal betreiben. Bei der Erarbeitung des Portals ging es insbesondere auch darum, Wirtschaftlichkeits- und Synergieeffekte zu erzielen. Entgegen der sonst üblichen Verfahrensweise wurden die verschiedenen Datenbausteine für das neue Internetportal nur einmal beschafft und bezahlt, können aber auf Basis der technischen Bereitstellung durch die Stadt Jena trotzdem von allen gleichermaßen genutzt werden. Ebenfalls ein Novum und besonders ökonomisch: die Formulare, Anträge und Informationen aus den lokalen Internetauftritten der beteiligten Gebietskörperschaften werden durch bestimmte Abgleichmechanismen ohne zusätzlichen Redakteursaufwand automatisch auf das Internetportal www.kommunenonline.de übertragen.
Angela Kiesewetter-Lorenz Angele Kiesewetter-Lorenz

Vier Gebietskörperschaften aus Ostthüringen sind am neuen Internetportal beteiligt. Weshalb wurde mit www.kommunenonline.de

Angela Kiesewetter-Lorenz, Fachdienstleiterin Bürgerservice und Kultur: Das neu geschaffene Portal ist ab sofort für alle Gebietskörperschaften offen und deckt bereits heute ein überaus umfangreiches Dienstleistungsspektrum der öffentlichen Verwaltung in Deutschland ab. Erste Gespräche haben wir bereits mit dem Freistaat Thüringen geführt, um zu prüfen, ob das neue Internetportal künftig von allen Gebietskörperschaften bis hin zum Ministerium genutzt werden kann. Damit wäre die Basis für ein Landesportal in Thüringen geschaffen. Bislang befinden wir uns aber noch in der Abstimmungsphase.
Zudem bekamen wir gleich nach dem Startschuss überaus positive Reaktionen auf Deutschlands größter Verwaltungsmesse in Leipzig, der KOMCOM. Hier wie auch bereits im Rahmen der Projektdurchführung gab es bereits erste Interessensbekundungen von Städten und Landkreisen aus Thüringen und anderen Bundesländern in Ostdeutschland. Auch der deutsche Städte- und Gemeindebund sowie einzelne Unternehmen sind an diesem Internetportal interessiert. Uns ist wichtig, möglichst viele Gemeinden, Verwaltungsgemeinschaften, Städte oder Landkreise dafür zu gewinnen, weshalb auch ein neutraler Name gewählt wurde.

Mit der Umsetzung des neuen Internetportals bekam auch die Homepage des Altenburger Landes unter www.altenburgerland.de ein neues Gesicht. Warum?

Steffen Wiegner: Die komplette Umgestaltung war vor allem technisch bedingt und erforderlich für den Datenabgleich mit dem Zentralportal. Der Seitenaufbau aller Beteiligten musste identisch sein, damit die Inhalte aus den Webseiten der einzelnen Gebietskörperschaften automatisch auf das gemeinsame Portal übertragen werden können. Die neue Präsentation des Altenburger Landes wurde damit nicht nur übersichtlicher, sondern auch barrierefrei gestaltet. Außerdem wurden die bisherigen Inhalte unserer Homepage umfassend überarbeitet und aktualisiert. Die Entstehung der neuen Webseiten der beteiligten Kommunen und der Homepage für das zentrale Portal sind insofern ein positiver Nebeneffekt, nicht jedoch das Wesentliche des Projekts.

Die IT-Mitarbeiter im Landratsamt Karsten Siegel (links im Bild) und Ronny Melchior testen den Einsatz der künftigen elektronischen Signatur. Die IT-Mitarbeiter im Landratsamt Karsten Siegel (links im Bild) und Ronny Melchior testen den Einsatz der künftigen elektronischen Signatur.

Welche neuen Möglichkeiten ergeben sich damit ab sofort für die Bürgerinnen und Bürger im Altenburger Land?

Angela Kiesewetter-Lorenz: Der Landkreis hat bereits 2003 mit der online-Bauakte und dem Kfz-Wunschkennzeichen erste Behördengänge im Internet angeboten. Diese wurden jetzt um eine Vielzahl erweitert. Neu ist dabei, dass die meisten Formulare bzw. Anträge nicht mehr unbedingt im Landratsamt abgeholt werden müssen. Ob Bauantrag, Antrag auf Wohngeld, Lastenzuschuss, Grundsicherung oder Bafög, mehr als 70 Formulare können sich die Bürger ab sofort auch im Internet selbst herunterladen.

Ein weiterer neuer Datenbaustein, der sowohl auf dem zentralen Internetportal, als auch auf den Webseiten der beteiligten Gebietskörperschaften zu finden ist, ist der Veranstaltungskalender. Hier ist es jedem Veranstalter nach vorheriger Registrierung möglich, seine Veranstaltung im Internet selbst darzustellen und zu pflegen.

Neu ist auch das Ratsinformationssystem, dass sich in einen geschützten Bereich (für alle Kreistagsmitglieder) und einen offenen Bereich zugänglich für alle Bürger gliedert. Hier sind umfangreiche Informationen zu den Mandatsträgern und Gremien im Landkreis, der aktuelle Sitzungskalender sowie alle öffentlichen Kreistagsvorlagen zu finden. Im geschützten Bereich werden zudem Niederschriften und weiterführende Informationen zu Beschlüssen eingestellt. Eine wesentliche Erleichterung wird den Nutzern auch das neu geschaffene Bürgerservicemodul mit verschiedenen Suchfunktionen bieten. Hier kann man nach Themenbereichen, Nutzergruppen, Ämtern oder Lebensbereichen suchen oder sein Anliegen anhand einer bestimmten Lebenslage z.B. Umzug finden. Wir wissen aber auch, dass all diese Leistungen noch nicht vollständig sind und arbeiten regelmäßig an der Vervollständigung. Konstruktive Hinweise aus der Bevölkerung können da von Nutzen für uns sein.

Wie genau funktioniert eine solche Anwendung für den Bürger?

Angela Kiesewetter-Lorenz: Dies kann ich vielleicht am Beispiel einer Lebenslagen einmal kurz erläutern. Auf der Webseite www.altenburgerland.de erscheint auf der linken Seite der Menüpunkt Landratsamt und Bürgerservice. Unter dem Begriff Lebenslagen hat man dann die Wahl zwischen der Suche nach einer Lebenslage oder einer Dienstleistung. Der Nutzer kann aus insgesamt 22 Lebenslagen wählen. Entscheidet man sich für die Lebenslage Umzug, muss man zusätzlich die Postleitzahl des künftigen Wohnortes eingegeben. Daraufhin erhält man alle erforderlichen Informationen, Formulare oder Ansprechpartner. Selbst wenn der Landkreis für diese Dienstleistung nicht zuständig ist, erfährt der Bürger, welche Behörde für ihn zuständig ist.

Natürlich ist so ein Kraftakt wie dieses Internetportal und die neue Homepage des Altenburger Landes auch mit Kosten verbunden. Doch welchen Nutzen bringt es jetzt vor allem der Wirtschaft und Bürgern?

Angela Kiesewetter-Lorenz: Sowohl mit dem Internetportal als auch mit der neuen Homepage geht der Landkreis einen entscheidenden Schritt hin zum E-Government und zum bürgerfreundlichen Service innerhalb der öffentlichen Verwaltung. Schnelle Informations- und Antragsmöglichkeiten ersparen dem Bürger und der Wirtschaft enorme Zeit und auch Wege in die Verwaltung. Für das Landratsamt selbst steht hier vor allem die Kosten- und Zeitersparnis und die Vereinfachung von Verwaltungsabläufen im Vordergrund. Aufgrund der vielen Informationen, die sich ständig über das Internet abrufen lassen, wird nicht nur die Dienstleistungsqualität des Landkreises maßgeblich gesteigert, es erspart zudem auch jede Menge Papier.

Ist damit jetzt mit die Arbeit am neuen Internetportal und an der Homepage abgeschlossen oder wie sieht die Zukunft aus?

Steffen Wiegner: Natürlich arbeiten wir auch in den nächsten Monaten und Jahren an der Weiterentwicklung. Eine Zielstellung ist, im Landratsamt in den nächsten Wochen eine so genannte virtuelle Poststelle einzurichten. Das bedeutet, dass danach alle Kunden, ob Bürger oder Unternehmen, mit einer qualifizierten elektronischen Signaturkarte - ähnlich einer Bankkarte " Anträge und Formulare nicht nur zu Hause am Computer ausdrucken können, sondern die gesamte Abwicklung von Dienstleistungen bis hin zur Rücksendung ohne einen Behördengang komplett über das Internet möglich wird. Neben dem Leisten von "elektronischen Unterschriften" könnten auf diesem Wege künftig auch die Ausschreibungen eingereicht und abgewickelt werden. Geeignet wäre dies z.B. für Ingenieurbüros, die im IT-Bereich meist besonders innovativ sind, aber auch für alle anderen Wirtschaftsunternehmen, die hieraus einen besonderen Nutzen ziehen könnten. Zudem wollen wir ein Teil der Seiten auf der Homepage des Altenburger Landes in englischer Sprache anbieten.

Vielen Dank für das Interview.

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