Wiederaufbau Nordflügel Burg Posterstein: Europäische Salonkultur soll Touristen in den Landkreis locken

[23.01.2018]

Posterstein. Der Musenhof Löbichau der reichen Herzogin Anna Dorothea von Kurland († 1821) bildete zu Beginn des 19. Jahrhunderts ein Zentrum der deutschen und europäischen Salonkultur. In zwei ihrer Schlösser – in Löbichau und Tannenfeld – versammelte die umtriebige Dame ab 1796 Maler, Fürsten, Politiker, Dichter, Musiker und andere Geistesgrößen ihrer Zeit, um über gesellschaftliche Schranken hinweg relevante Themen zu diskutieren, gemeinsam zu musizieren, Theater zu spielen, Dichterlesungen zu lauschen, Karten zu spielen, Kunstwerke zu betrachten, selbst zu malen oder gemeinsam eine Landpartie zu unternehmen.

Ansicht des Nordflügels um 1850 Heute, über 200 Jahre später, soll diese Salonkultur auf Burg Posterstein wieder aufleben. Die erarbeiteten Konzepte sehen vor, u. a. ein Europäisches Zentrum für Salonkultur und ein Tourismus- und Informationszentrum im derzeit ruinösen Nordflügel der Burg entstehen zu lassen. Andreas Jaeger, Projektmanager bei der Landesentwicklungsgesellschaft Thüringen (LEG), stellte im Ausschuss für Wirtschaft, Umwelt und Bau am vergangenen Montag die konkreten Pläne vor: „In der neuen Tourismusstrategie des Landkreises, welche vor einem Jahr mit lokalen Partnern und der LEG erarbeitet wurde, spielt die Salonkultur eine wesentliche Rolle. Sie ist ein Alleinstellungsmerkmal im Wettstreit der touristischen Angebote thüringen- und bundesweit.“

Im südlichen Teil des Altenburger Landes soll künftig – wie vor 200 Jahren – wieder über die Zukunft Europas, Wissenschaft, Kultur und Politik geredet werden. Auch soll Raum für Kreativität und Kunst geboten werden. „Ein europäisches Zentrum der Salonkultur wäre eine einzigartige Position, die Geschichte in der Gegenwart verankert“, so Sabine Hofmann, Vorsitzende des Museumsvereins. „Auch geht es darum, die Sünden der Vergangenheit zu heilen. In den 1950er-Jahren wurde der Nordflügel der Burg bedenkenlos abgerissen, ohne auf langfristige Folgen zu achten. Die Ruine bedroht die Substanz der Burg. Der Wiederaufbau sichert das Kulturdenkmal“, fährt sie fort.

Ansicht des Nordflügels 2016 „Ziel ist es, Fördermittel aus dem Bundesprogramm Gemeinschaftsaufgabe ‚Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur‘ für den Neubau des Nordflügels zu akquirieren“, so Landrätin Michaele Sojka. Die Gesamtkosten sind aktuell auf 3,2 Millionen Euro beziffert. Hinzu kommen 200.000 Euro für die barrierefreie Gestaltung des Burginnenhofes inklusive Brücke. Auf Grundlage eines ersten Planungskonzepts, das im Herbst des vergangenen Jahres überarbeitet wurde, wurde eine Fördermittelvoranfrage bei der Thüringer Aufbaubank gestellt. Eine 90-prozentige Förderung erhofft sich der Landkreis. Gibt der Förderausschuss nach Prüfung der Voranfrage grünes Licht, kann der eigentliche Förderantrag gestellt werden. Den Eigenanteil von zehn Prozent trägt der Museumsverein Burg Posterstein aus Spenden und Drittmitteln bei. „Hierzu wollen wir eine entsprechende Vereinbarung mit dem Landkreis schließen“, erklärt Hofmann.

Der Grundsatzbeschluss zum Wiederaufbau des Nordflügels der Burg wird seit Ende des vergangenen Jahres in den Ausschüssen des Kreistages diskutiert und soll voraussichtlich im Sommer Gegenstand einer Kreistagssitzung sein. „Um an Fördermittel zu kommen, brauchen wir ein klares Bekenntnis des Kreistages“, sagt Sojka abschließend.

Hintergrund:
Als einen weiteren wichtigen Baustein im Werben um Touristen sieht die Tourismusstrategie des Landkreises die Fortentwicklung des Altenburger Schlossbezirks vor. Vorrangiges Ziel ist es, im Prinzenpalais des Residenzschlosses eine für Deutschland einzigartige „Spiele-Welt“ entstehen zu lassen. Auch bei diesem Projekt, die Kosten sind auf 6,2 Millionen Euro beziffert, ist eine Fördervoranfrage gestellt. Bauherr wäre die Stadt Altenburg. Beim Wiederaufbau des Nordflügels der Burg Posterstein wäre der Landkreis Bauherr.

Tom Kleinfeld
Öffentlichkeitsarbeit

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