Voller Landschaftssaal beim Fachtag "Kindeswohl bei psychisch kranken Eltern"

[09.07.2018]

Die Fachkräfte verfolgen den Vortrag von Prof. Dr. Albert Lenz Die Fachkräfte verfolgen den Vortrag von Prof. Dr. Albert Lenz Altenburg. Über 100 Erzieher, Ärzte, Therapeuten, Schwestern, Sozialarbeiter, Schulbegleiter und andere Fachkräfte haben Anfang Juni am dritten Fachtag des Netzwerkes „Kinderschutz und Frühe Hilfen“ im Landschaftssaal des Landratsamtes zum Thema „Kindeswohl bei psychisch kranken Eltern“ teilgenommen.

„In Deutschland erleben zirka 3,8 Millionen Kinder im Verlaufe eines Jahres einen Elternteil mit einer psychischen Erkrankung. Dazu zählen auch Kinder von Eltern mit einer Suchterkrankung“, erklärt Referent Prof. Dr. Albert Lenz vom Institut für Gesundheitsforschung und Soziale Psychiatrie der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen. Seit vielen Jahren setzt er sich mit der Problematik wissenschaftlich auseinander, hat diverse Praxis-Forschungsprojekte und Bücher hierzu veröffentlicht.

„Uns ließ diese hohe Anzahl aufhorchen, sodass wir dieses Thema in den Fokus des Fachtages gerückt haben. Denn auch im Altenburger Land sind die Fachkräfte in ihrer täglichen Arbeit immer wieder mit Kindern in Kontakt, deren Eltern psychisch erkrankt sind“, so Dirk Nowosatko, Fachbereichsleiter für Soziales, Jugend und Gesundheit im Landratsamt (genaue Zahlen gibt es nicht, Anm. d. R.). „Diese Kinder geraten immer wieder in Vergessenheit. Sie versuchen, ihre Familie am Laufen zu halten und nicht aufzufallen. Oft müssen sie zu früh Verantwortung übernehmen und werden auch oft durch die Erkrankung der Eltern an einer gesunden Entwicklung gehindert“, erläutert Lenz. In seinem Vortrag ging er u. a. darauf ein, wie sich etwa eine mütterliche Borderline-Persönlichkeitsstörung, Depression oder Drogen- bzw. Alkoholsucht auf das Kind auswirken. So sei etwa das Risiko, an einer schweren Depression zu erkranken, für Kinder depressiv erkrankter Eltern sechsmal höher als in der Gesamtbevölkerung.

Auch Mascha Baltes von den Erfurter Seelensteinen war als Referentin geladen, um aus ihrer täglichen Praxis zu berichten. „Wir bieten ein ganzheitliches ambulantes Gruppenangebot für Kinder, ihre betroffenen Eltern und die ganze Familie“, erklärt sie. U. a. gehören Kreativnachmittage, Kindergruppen, Elternkurse und Familiensprechstunden zu ihrem Angebot.

Tanja Werner vom Projekt „Verrückt? Na und!“, das vom Leipziger Verein „Irrsinnig Menschlich“ ins Leben gerufen wurde, referierte abschließend über psychische Probleme bei Teenagern. „Wir machen das vermeintlich schwierige Thema seelischer Krisen in der Schule besprechbar, gestalten im Rahmen des Projekts einen Schultag“, sagt Werner. „Hierbei laden wir klassenweise zu einem Gespräch über die großen und kleinen Fragen zur seelischen Gesundheit ein. Es geht u. a. darum, über seelische Gesundheit aufzuklären und die Schüler seelisch fit zu machen. Auch Vorurteile sollen abgebaut werden“, fährt sie fort.

Der vierte Fachtag des Netzwerkes „Kinderschutz und Frühe Hilfen“ ist für Mitte des kommenden Jahres geplant.
Tom Kleinfeld

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