Steckbrief einer neuen Krankheit

[12.06.2020]

In beispielloser Weise verändert gerade ein neuartiger Virus die Welt. Binnen weniger Wochen hat sich der super winzige Erreger über den Globus ausgebreitet und nie dagewesene staatliche Reaktionen hervorgerufen. Über alle Glaubensbekenntnisse, politischen Ansichten und Systeme hinweg wurden in fast allen Staaten das gesellschaftliche Leben, Wirtschaft und Kultur heruntergefahren. Die weltweiten Nachrichtenbilder des Frühjahres 2020 zeigen derweil leere Innenstädte und überfüllte Krankenhäuser. Der Amtsarzt des Altenburger Landes, Professor Stefan Dhein, erläutert das Warum.

Das Schema zeigt, dass eine gezielte medikamentöse Behandlung nur zu Beginn der Krankheit möglich ist (obere Hälfte). Wenn das Immunsystem “übernommen” hat (untere Hälfte) sind die Körper von Erwachsenen (unten links) und von Kindern (unten rechts) auf sich gestellt und die Behandlungsmöglichkeiten eingeschränkt. Das Schema zeigt, dass eine gezielte medikamentöse Behandlung nur zu Beginn der Krankheit möglich ist (obere Hälfte). Wenn das Immunsystem “übernommen” hat (untere Hälfte) sind die Körper von Erwachsenen (unten links) und von Kindern (unten rechts) auf sich gestellt und die Behandlungsmöglichkeiten eingeschränkt.

Was ist COVID-19?

Für typische Erkältungskrankheiten sind in vielen Fällen seit Langem Coronaviren verantwortlich. Auch COVID-19 ist eine durch einen Coronavirus, den Virus SARS-CoV-2, verursachte Erkrankung. Dieses neue Virus ist mit den Erregern der SARS-Epidemie von 2002 und 2003 und der MERS-Epidemie von 2012 verwandt. Dementsprechend ähnelt die Ansteckungsfähigkeit des SARS-CoV-2 der von Erkältungen.
SARS steht für Severe Acute Respiratory Syndrome übersetzt Schweres akutes Atemwegssyndrom. Der Virus SARS-CoV-2 ist Ende 2019 im chinesischen Wuhan wahrscheinlich aus dem Tierreich auf den Menschen “übergesprungen”. Er verursacht leichte bis schwerste Infektionen. Weshalb es sich bei COVID-19 um eine ernsthafte, mitunter lebensbedrohliche Krankheit handelt.
Zunächst wurde COVID-19 vornehmliche als Lungenkrankheit interpretiert. Inzwischen ist aber deutlich geworden, dass auch die Blutgefäße befallen werden und es durch Entzündung der inneren Schicht der Blutgefäße (Endothel) zu Schäden an anderen Organen wie Nieren, Herz und Lunge kommt. Dabei entstehen bei Erwachsenen oft Thrombosen, die zu Herzinfarkt, Schlaganfall, Lungenversagen und Nierenversagen führen können.

Die Kurven im Diagramm zeigen, dass bis Mitte Mai die Corona-Pandemie im Altenburger Land vergleichsweise mild verläuft. Milder als im Thüringer Durchschnitt und mit deutlich weniger Fällen als im Bundesschnitt. Ob die jüngsten Lockerungen die Kurvenverläufe verändern, muss sich noch zeigen. Die Kurven im Diagramm zeigen, dass bis Mitte Mai die Corona-Pandemie im Altenburger Land vergleichsweise mild verläuft. Milder als im Thüringer Durchschnitt und mit deutlich weniger Fällen als im Bundesschnitt. Ob die jüngsten Lockerungen die Kurvenverläufe verändern, muss sich noch zeigen.

Beurteilung des Risikos

In der ersten Phase ist der Verlauf vom Eindringen des Virus in den Körper bestimmt, später von dessen Immunreaktion. Perspektivisch könnten deshalb zu Beginn der Krankheit therapeutische Antikörper oder HIV-Proteasehemmer wie Remdesivir wirksam sein. Letztlich wird aber erst eine Impfung die Infektion verhindern können. Aber aktuell gibt es keinen Impfstoff und kein wirksames Arzneimittel gegen COVID-19. Das muss bei einer Beurteilung des Risikos berücksichtigt werden.
Im Landkreis Altenburger Land herrscht eine spezielle Risikolage. Zum einen weist die Bevölkerung mit 28,5 Prozent einen deutlich höheren Anteil von Personen über 65 Jahre auf als Thüringen mit 24,2 Prozent oder dem Bundesdurchschnitt von 21,1 Prozent. Zum anderen ist eine der Risikoerkrankungen für schwere COVID-19-Verläufe, die chronisch obstruktive Bronchitis COPD, im Altenburger Land mit 7,34 Prozent deutlich häufiger als im Bundesdurchschnitt (3,4 Prozent). Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, den Schutz der Bevölkerung vor Ansteckung mit SARS-CoV-2 aufgrund dieser Risikolage der Bevölkerung verbindlich zu regeln.

Die Symptome

Die Symptome von COVID-19 sind besonders in der Frühphase denen von Grippe und Erkältung sehr ähnlich: Husten (rund 50 Prozent) und Fieber (circa 40 Prozent) sind die häufigsten Symptome. Außerdem sind Schnupfen (etwa 20 Prozent) sowie Geruchs- und Geschmacksstörungen (annähernd 16 Prozent) feststellbar. Später können eine virale Lungenentzündung, Atemnot, Abgeschlagenheit und Muskelschmerzen hinzukommen. Wenn es zu einem kritischen Verlauf kommt, können sich dann noch Nierenversagen und Gefäßgerinnsel (Thrombosen, Embolien, Infarkte) entwickeln.

Verlauf und Mortalität

Nach einer Inkubationszeit von bis zu 14 Tagen erkranken etwa 20 Prozent der Infizierten und werden symptomatisch. Statistisch wird bei 15 Prozent der Infizierten eine Klinikaufnahme notwendig. Bei 9 Prozent der Infizierten verläuft COVID-19 kritisch und etwa 5 Prozent versterben (=Mortalität, Sterblichkeit). Die Prozentsätze beziehen sich auf Daten der amerikanischen Johns-Hopkins University.
Die Mortalität steigt bei bestimmten Vorerkrankungen und ab einem Alter von 65 Jahre deutlich an und erreicht 10 bis 15 Prozent bei über 80-jährigen Patienten. Doch auch Kinder können an COVID-19 sterben.

Die Tabelle zeigt R(0) im Vergleich zu anderen Infektionskrankheiten Die Tabelle zeigt R(0) im Vergleich zu anderen Infektionskrankheiten

Übertragung/Infektiosität

Die Infektiosität von COVID-19 ist als eher hoch einzuschätzen. Die Erkrankung wird im Wesentlichen durch Tröpfcheninfektion und durch Aerosole übertragen - im Gegensatz zu den bekannten Erkältungserkrankungen aber schon während der Inkubationszeit, also vor Symptombeginn. Die höchstens fünf tausendstel Millimeter großen Tröpfchen entstehen beim Husten, Niesen oder Atmen und können über eine geringe Distanz bis 1,5 Metern auf die Schleimhäute der Atemwege von Kontaktpersonen gelangen. Aerosole im Nanometerbereich reichen noch weiter. Eine Übertragung durch Händeschütteln oder direktes Berühren kontaminierter Flächen mit darauffolgendem Hand-Mund- oder Hand-Nasen-Kontakt ist ebenfalls möglich.
Die Tabelle zeigt einen Vergleich der Influenza-Erkrankung mit COVID-19 Die Tabelle zeigt einen Vergleich der Influenza-Erkrankung mit COVID-19 Mit den Maßnahmen der vergangenen acht Wochen ist es gelungen k und q so zu beeinflussen, dass R(0) auf unter eins gedrückt werden konnte. Wenn diese Regeln nicht mehr gelten, ist nicht auszuschließen, dass R(0) wieder ansteigt und die Infektion erneut an Dynamik gewinnt.
Weil bei COVID-19 eine höhere Sterblichkeit und höhere Infektiosität als bei der jährlich auftretenden Grippe festzustellen ist, es zudem keinen Impfstoff und keine Therapie gibt sowie zahlreiche Organe befallen werden, hat der Gesetzgeber diese Pandemie anders zu behandeln als die Influenza.

Prof. Dr. Stefan Dhein

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