Amtsarzt Prof. Dhein: Die Situation ist ernst

[26.11.2020]

Prof. Dr. Stefan Dhein Prof. Dr. Stefan Dhein (Foto: Landratsamt) Liebe Bürgerinnen und Bürger des Altenburger Landes,

die Situation der COVID-19 Pandemie ist ernst und die zweite Welle in Europa übersteigt die erste um ein Mehrfaches. Es gibt zwar in der Medizin nun bessere und detailliertere Konzepte der Behandlung, aber nach wie vor kein spezifisches Gegenmittel, sondern nur eine symptomatische Behandlung. Die Letalität der Erkrankung (Anteil der Erkrankten, der an der Krankheit stirbt) ist in Deutschland nach den aktuellen Daten mit 2,5 bis 3 Prozent anzunehmen, bezogen auf die abgeschlossenen Fälle, liegt aber in den älteren Bevölkerungsgruppen deutlich höher.

Corona-Bereich auf der Intensivstation des Altenburger Klinikums Im Corona-Bereich auf der Intensivstation des Altenburger Klinikums: Ltd. Oberarzt Ekkehardt Mahn (r.), Schwester Anne-Kathrin und Pfleger Maik in Schutzkleidung. Die Belegung der Intensivbetten in den deutschen Krankenhäusern ist in den letzten Wochen deutlich angestiegen. (Foto: Klinikum Altenburger Land) In der jetzigen zweiten Welle ist in einigen europäischen Ländern die Kapazitätsgrenze im Gesundheitssystem bereits erreicht. Auch bei uns steigen die Zahlen kritisch an. In Deutschland, Thüringen und auch im Altenburger Land liegt die 7-Tage Inzidenz pro 100.000 Einwohner wesentlich über der der ersten Welle im Frühjahr, wie aus der unten stehenden Grafik entnommen werden kann. Die Gesamtfallzahl pro 100.000 Einwohner seit Beginn im Frühjahr ist ebenfalls wesentlich angestiegen, ebenso die Belegung der Intensivbetten in den deutschen Krankenhäusern. Die freien Kapazitäten nehmen ab. Etwa 56 Prozent der angezeigten 3059 Intensivpatienten müssen invasiv beatmet werden. Wenn man davon ausgeht, dass circa acht Prozent der Infizierten einen kritischen Verlauf nehmen und intensivpflichtig werden (Epidemiologisches Bulletin. 2020, 17:3-9), wird die Belegung der invasiven Beatmungsbetten noch deutlich zunehmen. Wann die Situation kritisch wird, hängt einerseits davon ab, wie die Zahlen weiter steigen und andererseits wie viel Personal dann zur Verfügung steht, denn auch beim Personal auf Intensivstationen und Ärzten ergeben sich Engpässe, wenn es sich infiziert. Dies könnte in den nächsten Wochen eintreten. Vor diesem ernsten Hintergrund ist es wichtig, sich und seine Mitmenschen zu schützen.
Grafik über die Gesamtfallzahl je 100.000 Einwohner seit Beginn der Pandemie im Frühjahr (Stichtag 0 ist hier der 2.3.2020) ist wesentlich angestiegen. Die Gesamtfallzahl je 100.000 Einwohner seit Beginn der Pandemie im Frühjahr (Stichtag 0 ist hier der 2.3.2020) ist wesentlich angestiegen. (Grafik: Landratsamt) Es stellt sich also weniger die Frage: Was ist nach den verschiedenen Coronaverordnungen alles erlaubt oder verboten? Sondern ganz wesentlich muss jeder einzelne sich fragen: Wie schütze ich mich selbst? Wie schütze ich meine Familie, Freunde, Kunden und Mitmenschen? Je weniger Kontakte jemand hat, desto weniger kann er sich und andere infizieren. Wo Kontakte außerhalb des eigenen Haushalts unvermeidlich sind, ist ein Abstand von mindestens 1,5 Metern zwischen den Personen wichtig und das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung ebenso. Diese hilft, den Ausstoß von virushaltigen Tröpfchen mit dem Atmen und Sprechen zu verringern. Ebenso hilft das regelmäßige Lüften von Innenräumen, die Viruszahl in einem Raum zu senken. Etwa alle 20 min sollte man durchlüften.

Grafik: In Deutschland, Thüringen und auch im Altenburger Land liegt die 7-Tage-Inzidenz pro 100.000 Einwohner wesentlich über der der ersten Welle im Frühjahr (Stand: 24.11.2020; eigene Daten). In Deutschland, Thüringen und auch im Altenburger Land liegt die 7-Tage-Inzidenz pro 100.000 Einwohner wesentlich über der der ersten Welle im Frühjahr (Stand: 24.11.2020; eigene Daten). (Grafik: Landratsamt) Da die Viren auch an Oberflächen anhaften und dort bis zu 72 Stunden infektionsfähig bleiben, ist ein regelmäßiges Waschen der Hände wichtig. Da es sich um ein behülltes Virus handelt, ist das Waschen mit Seife bereits gut wirksam. Zusätzlich können Hände-Desinfektionsmittel eingesetzt werden.

Ich bedanke mich bei allen, die hier ihre eigene Verantwortung zum Schutz der anderen und für sich selbst wahrnehmen und wünsche Ihnen allen:
Bleiben Sie gesund!

Prof. Dr. Stefan Dhein,
Facharzt für Pharmakologie und Toxikologie
Facharzt für Klinische Pharmakologie
Fachdienstleiter Fachdienst Gesundheit
-Amtsarzt-

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