60 Kilometer Alleen stehen im Altenburger Land unter besonderem Schutz

[30.09.2021]

Lukas Baumgärtl sieht bei dieser Kirschallee in der Ortslage Bohra Handlungsbedarf. Die Lücken müssten gefüllt und die toten Bäume ersetzt werden. Lukas Baumgärtl sieht bei dieser Kirschallee in der Ortslage Bohra Handlungsbedarf. Die Lücken müssten gefüllt und die toten Bäume ersetzt werden. Altenburg. Alleen verleihen Straßen einen ganz besonderen Charme, sind reizvoll anzusehen in jeder Jahreszeit - zart grün schimmernd im Frühling, in voller Pracht Schatten spendend im Sommer, farbenfroh im Herbst, mit Raureif und Schnee überzogen im Winter. Viele solcher Prachtstraßen gibt es auch im Altenburger Land und entsprechend des Thüringer Naturschutzgesetztes genießen sie seit zwei Jahren besonderen Schutz. Schließlich prägen sie das Landschaftsbild und sind Lebensraum für viele Tiere.
Um diesen Schutz zu gewährleisten, muss man natürlich wissen, wo genau im Landkreis sich solche Alleen befinden und in welchem Zustand sie sind. Recherchiert und untersucht hat das Lukas Baumgärtel. Der Student der Fachrichtung Landschaftsarchitektur und Umweltplanung an der Hochschule Anhalt in Bernburg hat in den vergangenen sechs Monaten den Fachdienst Natur- und Umweltschutz unterstützt und seine Analyse jetzt beendet.

Baumgärtels Vor-Ort-Recherche, denen eine ausgiebige Studie der Satellitenbilder vorausgegangen war, ergab eine Anzahl von 64 Alleen im Altenburger Land, die sich über insgesamt 60 Kilometer erstrecken und recht gleichmäßig im Kreisgebiet verteilt sind. Dabei seien die Obstbaummischung, die Linden und die Obstgehölze wie reine Kirsche, reine Birne und reiner Apfel die häufigsten Baumarten. Nicht alle Alleen, die Baumgärtel zuvor auf Luftbildern ausfindig gemacht hatte, entpuppten sich vor Ort auch als solche - 37 Prozent waren keine. „Der Alleencharakter war hier vor allem durch große Lücken verlorengegangen, kranke Bäume, die entnommen werden mussten, wurden am selben Standort und der Art entsprechend nicht wieder ersetzt“, erklärt der Student. So zum Beispiel entlang der Straße von Burkersdorf in Richtung Altenburg. Von der einstigen Apfelbaumallee ist heute kaum noch etwas übrig. Die längste Allee hingegen machte Lukas Baumgärtel zwischen Rositz und Meuselwitz aus: 500 Linden reihen sich hier über anderthalb Kilometer zweireihig aneinander. Die wunderschöne Allee entstand 1998 als Ausgleichsmaßnahme im Zuge des Ausbaus der Bundesstraße 180. Generell ist die Linde der typischste Alleenbaum. In und um Altenburg gibt es gleich mehrere davon und die Münsaer Linden im Stadtgebiet, im 18. Jahrhundert angelegt und Naturdenkmal, gehören ohne Zweifel zu den besonders beeindruckenden Alleen. Sehr unterschiedlich, so Lukas Baumgärtel, sei der Zustand der Alleen. „An ländlichen Wegen und an Gemeindestraßen sind sie oftmals weniger lebendig, an Hauptstraßen dagegen im Zuge der Verkehrssicherung vom Straßenbaulastträger meist besser gepflegt.“ Geschädigt sind die Bäume vor allem durch die Trockenheit der letzten Jahre; sie leiden unter aufgeplatzter Rinde und unter Pilzbefall. „Unsere Alleen-Inventur hat gezeigt, dass es höchste Zeit war, dass sich Thüringen entschlossen hat, die Alleen unter besonderen Schutz zu stellen. Das Altenburger Land ist im Übrigen aktuell der einzige Landkreis, der begonnen hat, den im Thüringer Naturschutzgesetz verankerten Alleenschutz auch umzusetzen“, erklärt Bigit Seiler, Leiterin des Fachdienstes Natur und Umweltschutz im Landratsamt, nicht ohne Stolz. Jetzt, wo man den Bestand der Alleen im Altenburger Land genau kenne, gehe es darum, so Seiler weiter, die Öffentlichkeit und vor allem die Straßenbaulastträger für den Alleenschutz zu sensibilisieren. Ihre Behörde wird in den kommenden Wochen die Gemeinden schriftlich kontaktieren und erläutern, was Alleenschutz bedeutet. In erster Linie geht es erst einmal darum, aus Alleen entnommene kranke Bäume wieder zu ersetzen.

Gerd Reinboth (links), Birgit Seiler und Lukas Baumgärtl bei der Begutachtung der Lindenallee im Schlosspark Windischleuba. Die Verbuschung der Stämme wird in Kürze beseitigt. Gerd Reinboth (links), Birgit Seiler und Lukas Baumgärtl bei der Begutachtung der Lindenallee im Schlosspark Windischleuba. Die Verbuschung der Stämme wird in Kürze beseitigt. Mit gutem Beispiel voran geht in Sachen Alleenschutz derzeit die Gemeinde Windischleuba. Bürgermeister Gerd Reinboth hat die Pflege seiner Linden-Allee, die Bestandteil des Schlossparkes ist, zur Chefsache erklärt. 36 über einhundert Jahre alte Linden säumen hier einen 80 Meter langen Weg. Gerd Reinboth wird die ihm von der Naturschutzbehörde übermittelten Pflegehinweise jetzt umsetzen. „Die Baumstämme sind bis zu einer Höhe von etwa zwei Metern ziemlich verbuscht. Das sieht einerseits nicht ästhetisch aus und nimmt andererseits den Bäumen die Energie. Die Mitarbeiter unseres Bauhofes werden diesen Stockausschlag im Laufe des Monats Oktober beseitigen“, so Reinboth.

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