Stützsystem für 1 000-jährige Eiche in Nöbdenitz fertiggestellt

[09.02.2010]

Nöbdenitz. Ein Baum im Altenburger Land erhält ein Stützsystem, so geschehen vor wenigen Wochen an der wohl berühmtesten Eiche im Landkreis, der 1 000-jährigen Eiche in Nöbdenitz. Was bringt einem so alten Baum ein solches System, was hat die Maßnahme gekostet und warum hat man den Baum nicht einfach gefällt, diese Fragen stellte Amtsblatt-Redakteurin Silke Manger der verantwortlichen Mitarbeiterin für Baumschutz im Landratsamt Altenburger Land, Fachdienst Umwelt, Jagd und Fischerei, Sandra Palme.

Sandra Palme

Frau Palme, Sie sind tagtäglich mit dem Schutz von Bäumen in unserem Landkreis befasst. Kann man bei der vor wenigen Wochen an der Nöbdenitzer Eiche abgeschlossenen Maßnahme noch von normalem Baumschutz sprechen?

Sandra Palme: Nein, dass war kein Baumschutz im eigentlichen Sinne. Vielmehr stand bei der Nöbdenitzer Eiche die Pflege und Erhaltung eines Naturdenkmals im Vordergrund und das hat Vorrang, vor dem allgemeinen Baumschutz. Naturdenkmale sind besondere Einzelgebilde mit herausragender Bedeutung, deshalb werden diese unter gesetzlichen Schutz gestellt. Die Voraussetzungen treffen auch auf die Nöbdenitzer Eiche zu, die nach unseren Unterlagen bereits 1940 erstmals als Naturdenkmal erwähnt wurde.
Die Nöbdenitzer Eiche im Jahr 2006.

Was ist das Besondere an diesem Baum?

Bei der Nöbdenitzer Eiche handelt es sich um ein kulturhistorisch bedeutsames Einzelgebilde der Natur, welches weit über die Landesgrenze hinaus bekannt ist. Laut Eintragung im Guinnessbuch zählt sie zu den ältesten Eichen in Deutschland und gar zu den ältesten Stieleichen Europas. Darüber hinaus ist nachgewiesen, dass im Wurzelbereich der ausgehöhlten Eiche die Begräbnisstätte des Ministers Hans Wilhelm von Thümmel (1744 -1824) liegt. Minister Thümmel hatte diesen Baum vor seinem Ableben gekauft und wählte das Innere des Baumes als seine letzte Ruhestätte. Am 3. März 1824 wurde er in der Nöbdenitzer Eiche beigesetzt, weshalb man umgangssprachlich auch von der "Begräbniseiche" oder "Thümmel-Eiche" spricht.

Es wird gesagt, dass die Nöbdenitzer Eiche 1 000 Jahre alt sei. Können Sie das bestätigen?

Das tatsächliche Alter des Baumes kann zum jetzigen Zeitpunkt keiner bestimmen. Auch die historischen Unterlagen gehen nicht auf einen historischen Pflanzpunkt zurück. Zu einer genauen Bestimmung bedarf es einer Jahrringanalyse, die man jedoch bei der Nöbdenitzer Eiche nicht mehr stellen kann, da dieser Baum bereits seit mehreren hundert Jahren hohl ist. Kirchenbücher belegen jedoch, dass die Eiche schon vor 400 Jahren als hohler Baum mit mächtigem Umfang bezeichnet wurde. Bedenkt man wie lange ein Baum braucht, um einen solchen Umfang zu erreichen, der zudem innen hohl ist, dann wird das Alter von 1 000 Jahren annähernd stimmen.

Die Eiche nach Abschluss der Maßnahmen im Januar 2019.

Sie waren mitverantwortlich, dass der Baum Ende letzten Jahres ein Stützsystem bekam. Warum war das erforderlich und was wurde dabei konkret gemacht?

Vor unseren Maßnahmen wurde die mächtige Krone des Baumes nur noch vom Stammäußeren gehalten. Ein aktuelles Gutachten aus dem vergangenen Jahr belegt, dass die Eiche zudem nicht mehr verkehrssicher war und dass auch eine Einkürzung der Äste keinen Sinn macht, da der Stamm nicht mehr seine eigentliche Funktion hat. Um die Verkehrssicherungspflicht an dieser Stelle wiederherzustellen - wofür die Gemeinde selbst verantwortlich ist - wurde gemeinsam mit Nöbdenitz nach Möglichkeiten gesucht, wie die Gefahr eines Umstürzen des Baumes vermieden bzw. eingedämmt werden kann.

Aus entsprechenden Unterlagen geht hervor, dass der Baum bereits vor 100 Jahren mit Eisenringen gestützt wurde, um ein auseinanderbrechen zu vermeiden. Heute bilden diese Ringe leider nicht mehr diese Funktion. Gutachtlich wurde festgestellt, dass der Stamm zerbröseln würde, wenn man diese Eisenringe heute entfernt. So wurde zum Schutz des Stammes im mittleren Teil ein weiterer Ring angebracht, der dem bereits vorhandenen, nicht mehr funktionstüchtigen mittleren Ring in seiner Ausführungsart ähnelt und die Funktion des Zusammenhaltens in diesem Stammbereich nunmehr absichern soll. Darüber hinaus wurde überlegt, wie man die Last von der mächtigen Krone nehmen kann. Dazu wurde ein Statikbüro für eine Tragwerksplanung beauftragt, was die Gesamtmaßnahme auch so teuer gemacht hat. Mit dieser Planung konnte der genaue Lastpunkt des Baumes errechnet werden, um so den Druck von dem Stamm zu nehmen. Umgesetzt wurde dies mit zwei Stahlrohren die in Betonfundamten in den Boden eingelassen wurden. Zusätzlich wurden zwei Seile in den Pfarrgarten gespannt, um bei einem evtl. Einknicken des Stammes nach vorn ein Umbrechen auf den Gehweg- und Straßenbereich zu verhindern.

Wie teuer war die Maßnahme und gab es auch andere Alternativen für den Baum?

Alternativen für den Erhalt des Baumes gab es keine. Sicherlich wäre auch eine Fällung möglich gewesen, doch vor dem Hindergrund eines solchen kulturhistorischen Naturdenkmals kann man das nicht verantworten. Alternativen gab es lediglich hinsichtlich des Stützsystems: da stellte sich die Frage, ob Stahl oder Holz. Die Fachfirma hat sich in Abstimmung mit unserem Fachdienst für Stahl entschieden, da die Holzstützen wesentlich wuchtiger gewesen wären und damit den historischen Anblick des Baumes noch stärker beeinträchtigt hätten. Die Kosten der Maßnahme belaufen sich auf rund 13.000 ", wobei 5.000 " von der Gemeinde Nöbdenitz und der Rest vom Landkreis übernommen wurden. An dieser Stelle noch mal ein herzliches Dankeschön dem Bürgermeister von Nöbdenitz für sein Engagement zum Erhalt dieses Baumes.

Gibt es noch andere Bäume im Landkreis, die ein ähnliches Alter aufweisen?

Sicherlich gibt es noch einige bemerkenswerte alte Bäume im Altenburger Land, wie z. B. eine sehr mächtige Esche im Park Tannenfeld oder das Naturdenkmal "5 Stieleichen bei Remsa". Doch so alte und kulturhistorisch bedeutsame wie die Eiche in Nöbdenitz, dass ist schon etwas sehr Besonderes. Zudem ist es in dem Alter eigentlich ein Wunder, dass der Baum noch so steht.

Vielen Dank für das Interview!

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Weitere Informationen
Natur und Umwelt im Altenburger Land
Kontaktdaten
Landratsamt Altenburger Land
Fachdienst Umwelt und Jagd/Fischerei
Fachdienstleiterin: Birgit Seiler
Sitz: Amtsplatz 8
04626 Schmölln
Telefon: 03447 586-478
Telefax: 03447 586-495
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