Sommeritz - Nistkästen für ein ganzes Dorf

Im normalen Alltagsleben kennen ihn viele vor allem als verantwortungsvollen Geschäftsmann. Doch wenn es am Abend oder Wochenende einmal ruhiger wird, nutzt der im Schmöllner Ortsteil Sommeritz lebende Frank-Uwe Seyfarth gern mal die Gelegenheit, sich der Natur zu widmen.

kein Alternativ-Text hinterlegt Frank-Uwe Seyfahrth (links) und Gotthard Burkhardt werfen einen prüfenden Blick auf die neu gebauten Nistkästen Vor allem im Frühjahr, wenn Vögel ihre Nester bauen, brüten oder ihre Jungen aufziehen, beobachtet er gern von seinem Wohnhaus aus die Meisen, Stare, Finken oder Rotkelchen in seinem Garten. Gern erinnert sich der heute 51-Jährige dabei an seine Kindheit, als er zusammen mit seinem Großvater mit Leidenschaft Nistkästen gebaut hat. Unterschlupfmöglichkeiten dieser Art findet man heute nur noch selten, gerade Singvögel haben Quartiernot, weil viele durch Gebäudesanierungen nach den 90ziger Jahren vernichtet wurden.

Das brachte Frank-Uwe Seyfarth vor gut zwei Jahren auf die geniale Idee, Nistkästen zu bauen. Mittlerweile beherbergt der Hobbynaturschützer auf seinem Grundstück 25 dieser handgefertigten Exemplare in den verschiedensten Farben. Sie bieten den Vögeln Unterschlupfmöglichkeiten vor allem während der Brutzeit und bei der Aufzucht ihrer Jungen. Doch mit dem Bau der ersten Nistkästen und den Naturbeobachtungen war das eigentliche Projekt von Frank-Uwe Seyfarth erst geboren. Rasch entwickelte er daraus die Idee, im gesamten Ortsteil von Sommeritz Nistkästen aufzustellen. „Ich wollte damit vor allem andere Menschen auf diese Naturschönheiten aufmerksam machen, die sonst nichts mit dieser Materie zu tun haben und ihnen zeigen, welche Freude Natur machen kann“, sagte der Hobbynaturschützer.

kein Alternativ-Text hinterlegt Doch ganz allein hätte er ein solches Vorhaben nicht umsetzen können und suchte deshalb Rat und Unterstützung beim örtlichen Feuerwehrverein. „Das Projekt stieß bei der Mehrzahl unserer Mitglieder auf eine breite Akzeptanz“, sagte der Vereinsvorsitzende vom Feuerwehrverein Sommeritz, Gotthard Burkhardt. Gleich zu Beginn haben wir uns fachlichen Rat eingeholt, um die Nistkästen auch artgerecht zu bauen. „So muss beispielsweise bei den einzelnen Vogelarten auf die unterschiedlichen Lochgrößen geachtet werden“, so Gotthard Burkhardt. Mit Hilfe des örtlichen Feuerwehrvereins und Unterstützung Dritter wurden mittlerweile rund 400 Nistkästen in Handarbeit gefertigt. Das Besondere ist ihre unterschiedliche Farbgestaltung, die die kleinen Kästen an den Straßen entlang des knapp 300 Einwohner umfassenden Ortsteil Sommeritz zu einem echten Hingucker werden lassen. „Unser Anfangsziel war, so viele Nistkästen aufzustellen, wie der Ort Einwohner hat“, sagte der Ideengeber Frank-Uwe Seyfarth.

kein Alternativ-Text hinterlegt Der Initiator zeigt auf einen von 25 Nistkästen auf seinem Grundstück. Dieser ist speziell für Singvögel. Er und Gotthard Burkhardt vom örtlichen Feuerwehrverein sind besonders stolz darauf, dass sich mittlerweile viele Sommeritzer von dem Hobby haben anstecken lassen. Von den 400 fertig gestellten Nistkästen wurden bislang rund 350 vor allem im Sichtbereich entlang des Schmöllner Ortsteils angebracht. „Trotzdem ist die Nachfrage weiterhin groß“, sagt Frank-Uwe Seyfarth. So werden die nächsten 40 Kästen in den Farben gelb, blau oder grün schon in wenigen Wochen angebracht, um Fink, Star, Meise, Rotkelchen oder Sperling weitere Nistmöglichkeiten zu bieten. Doch neben dem Aufstellen dieser Kästen sorgt der örtliche Feuerwehrverein auch für die Unterhaltung der Quartiere. Das bedeutet beispielsweise, dass sie im Herbst bzw. Frühjahr gereinigt und vom Kot der Tiere befreit werden.
Begeistert vom Projekt ist auch die Naturschutzbehörde des Landkreises. „Wir begrüßen diese tolle Aktion. Das Besondere daran ist, dass die Sommeritzer aus eigenem Antrieb heraus mit viel freiwilligem Naturschutzengagement etwas Gutes für Singvögel tun. Und da es unseren Singvögeln sehr an natürlichen Nistmöglichkeiten wie Baumhöhlen mangelt, wird mit dieser sympathischen Idee viel für den Artenerhalt getan“, sagte die Fachbereichsleiterin für Umwelt beim Landratsamt Altenburger Land, Birgit Seiler. Weiter ergänzte sie: „Wenn es die Auszeichnung „Naturschutzfreundliches Dorf“ gäbe, dann hätte es Sommeritz verdient, denn das ist nicht nur eine tolle Geschichte für das Altenburger Land, sondern sicherlich in ganz Deutschland einmalig“.
Um künftig einen genauen Überblick über die Standorte der einzelnen Nistkästen zu haben, wurde vor Kurzem mit deren Nummerierung begonnen. Damit ist es möglich, das Projekt auch für wissenschaftliche Zwecke zu nutzen. Bereits ab diesem Frühjahr will die Naturschutzbehörde dokumentieren, welche Nistkästen von welcher Vogelart beflogen werden. Zudem wird es eine Bachelor-Arbeit der Fachhochschule Bernburg zu diesem Naturschutzprojekt geben.
Das die Sommeritzer bereits zu echten Naturschützern geworden sind, dass beweist die Tatsache, dass man das Projekt auch auf andere Vogelarten ausweiten will. Schon in Kürze soll auf einer Esse im Ort eine Brutmöglichkeit für Störche geschaffen werden. Auch bei den Schwalben sieht der Ideengeber Frank-Uwe Seyfarth noch Nachholbedarf.
Obwohl das Projekt in Eigeninitiative der Bürger von Sommeritz entstanden ist, hoffen die Beteiligten, dass sich auch Andere dafür interessieren. „Wir hoffen, dass unser Projekt auch außerhalb des Ortes auf reges Interesse stößt. Vor allem für Schulen und Kindergärten ist es eine hervorragende Möglichkeit, Vögel hautnah in der Natur zu beobachten und ihnen zu zeigen, welche Freude Natur machen kann“, sagte der Vereinsvorsitzende vom Feuerwehrverein Sommeritz, Gotthard Burkhardt.

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Projektarbeit von Studenten der Hochschule Anhalt in Bernburg: "Erfolgskontrolle künstlicher Bruthilfen am Standort Sommeritz" (1.8 MB)
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Umwelt und Jagd/Fischerei
Fachdienstleiterin: Birgit Seiler
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