Rückschnitt und Fällung von Gehölzen durch Bundesnaturschutzgesetz geregelt

[14.06.2013]

Jeder Garten- und Grundstücksbesitzer kann sein Grundstück nach seinen Vorstellungen anlegen und gestalten. Bestimmte Maßnahmen unterliegen dennoch speziellen gesetzlichen Vorschriften, die das Eigentumsrecht einschränken. So benötigt man in der Regel zum Bauen eine Baugenehmigung. Und eigentlich sollte jeder wissen, dass man zum Fällen eines Baumes in der Regel eine Genehmigung benötigt. Relativ neu und vielleicht noch nicht überall bekannt ist, dass es selbst für das Zurückschneiden von Büschen und Hecken Zeiten gibt, in denen dies verboten ist. Nunmehr seit drei Jahren ist das Fällen von Bäumen und das Zurückschneiden von Gehölzen durch das Bundesnaturschutzgesetz (BnatSchG; § 39 Absatz 5, Nr. 2) bundesweit einheitlich geregelt und juristisch festgeschrieben. Jedoch will diese Festlegung mehr sein als starre Auflage.

Streuobstwiese Streuobstwiese Der Paragraph ist vor dem Hintergund des Artenschutzes, speziell im Hinblick auf den Schutz wild lebender Tiere und von deren Lebensstätten vor Beeinträchtigung und Zerstörung, erlassen worden. Die Regelung zielt gerade auf den Schutz und Erhalt von Nist- und Brutplätzen von Vögeln bzw. Lebensstätten von anderen Kleintieren ab, wie Fledermäuse oder Siebenschläfer, die oft in Baumhöhlen oder -spalten, in Hecken und Sträuchern etc. angelegt werden. Da die Revierwahl und Paarung meist schon im zeitigen Frühjahr beginnt und die Aufzucht der Jungen bei einigen Arten erst im Spätsommer endet, wurde bundesweit einheitlich ein grundsätzliches Schnitt- und Fällverbot für Gehölze im Zeitraum vom 1. März bis 30. September aus Gründen des vorsorglichen Artenschutzes bestimmt.
Welche Gehölze von dieser umfassenden Regelung betroffen sind, soll im Folgenden kurz dargestellt werden:
Zum einen gilt das Verbot für Bäume außerhalb des Waldes und erwerbswirtschaftlicher Nutzflächen. Ebenso gilt es für Hecken, lebende Zäune, Gebüsche und andere Gehölze – und das sowohl im Außenbereich in der freien Landschaft als auch in den Ortslagen, also auch innerhalb von Nutz- und Ziergärten. Allerdings ist es erlaubt, während des Verbotszeitraumes diese Gehölze in einem verkehrssicheren Zustand zu halten oder schonende Schnitte zur Beseitigung des Jahreszuwachses oder zur Gesunderhaltung durchzuführen. Ganzjährig ist jedoch darauf zu achten, dass durch Lärm und Schnittmaßnahmen die Brut- und Lebensstätten von wild lebenden Tieren nicht beeinträchtigt, beschädigt oder beseitigt werden. Wer sich unsicher ist, der findet Hilfe und Beratung bei der unteren Naturschutzbehörde des Landkreises oder in seiner Stadt- oder Gemeindeverwaltung.
Zusätzlich zur Berücksichtigung des zulässigen Schnittzeitraumes gibt es für die grundsätzliche Zulässigkeit von Baumfällungen oder der beabsichtigten Beseitigung von Hecken oder anderen Gehölzen Vorschriften zum Schutz der Bäume.
Stehen die Gehölze in der freien Landschaft, also außerhalb von Ortschaften, so regelt das Bundesnaturschutzgesetz, unter welchen Voraussetzungen Gehölze beseitigt werden dürfen – hier ist die untere Naturschutzbehörde zuständig und entscheidet auf Antrag, ob gefällt werden darf und ob Ersatzpflanzungen erforderlich sind.
In den Ortslagen der Städte und Gemeinden gelten in vielen Fällen Baumschutzsatzungen. Darin finden sich konkrete Vorgaben für den Baumschutz im jeweiligen Ort. Sie regelt die Erhaltung, Pflege und Entwicklung der Bäume des Gemeindegebietes. Zweck der Satzung ist neben der Sicherung der Funktionsfähigkeit des Naturhaushaltes und der Lebensstätten für die Tier- und Pflanzenwelt die Belebung, Gliederung und Pflege des Orts- und Landschaftsbildes. Auch die Erhaltung und Verbesserung des Kleinklimas und der innerörtlichen Durchgrünung werden dadurch gewährleistet. Hier empfiehlt sich in jedem Fall eine Nachfrage bei der Gemeinde, ob es eine Baumschutzsatzung gibt und ob der konkrete Einzelfall darunter fällt. Strengere Auflagen und Schutzvorschriften gelten hingegen für Gehölze in ausgewiesenen Natur- und Landschaftsschutzgebieten, geschützten Landschaftsbestandteilen, Naturdenkmalen oder geschützten Biotopen, wie z.B. Streuobstwiesen. Für diese Eingriffe - gleich welcher Art - benötigt man eine gesonderte Genehmigung. Diese kann ebenfalls bei der unteren Naturschutzbehörde beantragt werden.
Es empfiehlt sich immer eine vorherige Nachfrage bei der Naturschutzbehörde oder Gemeinde, wenn Baumfällungen vorgesehen sind, sei es im Zusammenhang mit der Grundstücksgestaltung oder bei geplanten Baumaßnahmen. Wenn Bäume ohne Genehmigung gefällt werden und dies der zuständigen Naturschutzbehörde bekannt wird, dann wird es deutlich teurer, da im Einzelfall mit Bußgeldern und Ersatzpflanzungen zu rechnen ist.
Vom Verbotszeitraum ausdrücklich ausgenommen sind Bäume in Wäldern. Doch auch hier gilt es, wild lebende Tiere der streng geschützten Arten und die europäischen Vogelarten während der Fortpflanzungs-, Aufzucht-, Mauser-, Überwinterungs- und Wanderzeiten nicht empfindlich zu stören. Während in größeren Waldstücken die Vögel noch auf Ausweichflächen wechseln könnten, bleibt in kleineren Gehölzen die Brut- oder Aufzuchtsstätte für die restliche Saison leer. Dabei sind es nicht nur die großen, gut sichtbaren Nistplätze, die Einhalt gebieten. Gerade im Verborgenen gibt es eine Vielzahl von Lebewesen, die erheblich Schaden nehmen könnten. Deshalb ist es auch hier sinnvoll, die Arbeiten möglichst auf die vegetationsarme Zeit von Oktober bis Februar zu beschränken. An die Grundstücksbesitzer von Wäldern und Kleingehölzen wird appelliert, bei forstlichen Bewirtschaftungsarbeiten Rücksicht auf Artenschutzbelange zu nehmen und die Arbeiten möglichst bis Ende Februar abzuschließen. 

Uta Hoppe,
untere Naturschutzbehörde

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