Dorfkümmerer im Altenburger Land fördern die Gemeinschaft
Stimmengewirr, hier und da ein herzliches Lachen, allgemeine Heiterkeit – es ist Spielenachmittag in Thonhausen. Nach einer Tasse Kaffee und einem Stück Kuchen ist eine allgemeine Unruhe zu vernehmen: Wann geht es endlich los? Was spielen wir heute? Spielst du bei uns mit? Der wöchentliche Treff ist gerade für die älteren Bürgerinnen und Bürger von Thonhausen das Highlight der Woche. Doch auch die Kinder und Enkel sind oftmals dabei. Der Spielenachmittag ist für alle da. Und so treffen sich Jung und Alt jeden Donnerstag im ersten Stock des Gemeindeamtes zum gemeinsamen Skaten, Rommé oder Mensch ärgere dich nicht.
„Manchmal sitzen wir bis zum Abend, essen gemeinsam noch Abendbrot“, so Annette Lepschies, die Dorfkümmererin in Thonhausen. „Es gibt kein festgelegtes Ende. Die Stimmung ist immer sehr gut und so spielen wir eben.“ Die 64-jährige Rentnerin ist eine von insgesamt 15 Dorfkümmerern im Landkreis. „Seit dem 1. Mai haben wir auch für Lumpzig und Dobitschen eine Dorfkümmererin“, berichtet Keith Schütz, Projektmitarbeiter der Diakoniestiftung Thüringen. Er ist Ansprechpartner für alle Dorfkümmerer im Altenburger Land.
Die Verwaltungsgemeinschaft (VG) Oberes Sprottental hat fünf Dorfkümmerer, die VG Rositz drei, die VG Pleißenaue eine. In Lucka, Nobitz, Langenleubau-Niederhain, Göpfersdorf und Ponitz gibt es jeweils einen Dorfkümmerer. Damit sind im ganzen Landkreis flächendeckend Dorfkümmerer zu finden. Der Arbeits- bzw. Tätigkeitsumfang ist dabei ganz unterschiedlich. „In der VG Pleißenaue ist eine Dorfkümmererin für fünf Gemeinden zuständig. Das ist nahezu eine Vollzeitstelle. Andere arbeiten auf Minijob-Basis“, so Schütz.
Bereits seit 2018 gibt es Dorfkümmerer im Altenburger Land. Seit rund drei Jahren werden sie über die Diakonie, die Fachstelle von Keith Schütz, betreut. Die Gesamtkoordination läuft über Sozialplaner Cornelius Dietrich aus dem Fachbereich Soziales, Jugend und Gesundheit des Landratsamtes. Gefördert werden die Dorfkümmerer und die Fachstelle durch das Landesprogramm „Solidarisches Zusammenleben der Generationen“ (LSZ) des Freistaates Thüringen. Die Dorfkümmerer gehören wie das Altenburger Familienzentrum und die Seniorenbeiräte zur regionalen Familienförderung des Landkreises, welche ausdrücklich das Miteinander aller Generationen in den Blick nimmt. Durch sie soll die Lebensqualität im unmittelbaren Wohnumfeld in ländlichen Gebieten verbessert und das soziale Miteinander in den Gemeinden gestärkt werden.
Annette Lepschies ist seit Januar 2025 in Thonhausen als Dorfkümmererin im Einsatz. Neben dem Spielenachmittag ist sie in der Märchengruppe aktiv, kümmert sich um den Weihnachtsmarkt oder war in der Osterwoche als Osterhase verkleidet in den Sportvereinen unterwegs. Bald wird es ein weiteres Angebot in Thonhausen geben. „Ich organisiere derzeit eine Frauentischtennisgruppe“, so Annette Lepschies. „Die Männer haben bereits eine Gruppe, da wollen die Frauen nun nachziehen.“
„Die Dorfkümmerer sind erste Ansprechpartner für die Bürger im Ort“, so Keith Schütz. „Sie helfen bei Fragen oder beraten bei Anträgen, sie unterstützen bei Problemen, vermitteln Hilfe und unterstützen das Miteinander vor Ort durch gemeinsame Aktivitäten.“ Spielenachmittage wie in Thonhausen werden auch in Rositz oder Gerstenberg von den dortigen Dorfkümmererinnen veranstaltet. In Kriebitzsch und Langenleuba-Niederhain gibt es regelmäßig ein Frauenfrühstück. In anderen Gemeinden helfen die Dorfkümmerer beim Ausfüllen von Formularen oder sie organisieren Weiterbildungen zu Themen wie digitale Sicherheit, Trauerbegleitung oder Verkehrssicherheit.
Die Dorfkümmerer sind in der Thüringer Familien-App zu finden. Alternativ können die jeweilige Gemeindeverwaltung oder aber Keith Schütz telefonisch unter 03447 8958020 oder 0174 6676362 Auskunft geben.
Die rund 20 Spielfreunde aus Thonhausen möchten ihre Dorfkümmererin und die gemeinsamen Nachmittage jedenfalls nicht missen. Sie sind sich alle einig: „Wir freuen uns heute schon auf den Spielenachmittag in der kommenden Woche.“
