Mitarbeiter der Natura 2000-Station schwingen die Sense
Um Blühwiesen artenreich zu erhalten reicht eine Maht ein- bis zweimal im Jahr
Öffentliche Grünflächen werden überwiegend intensiv gemäht. Der Anblick kurzen Rasens erfreut zwar die meisten Bürger, bietet aber insbesondere für Insekten keinen Nahrungs- und Lebensraum und ist zusätzlich in der Unterhaltung und Pflege kosten- und personalintensiv. Um ein paar Farbtupfer ins Stadtbild zu bringen, kümmert sich die Natura 2000-Station „Osterland“ seit 2023 um die Wiesenfläche vor ihrem Büro im Schmöllner Finkenweg. Nach Absprache mit der Stadt Schmölln als Flächeneigentümerin und der Wohnungsverwaltung Schmölln wurde zunächst eine gebietseigene Saatgutmischung eingebracht und die Flächenpflege anschließend extensiviert. Bei einer kürzlich erfolgten Kartierung konnten mehr als 50 verschiedene Blühpflanzen und Gräser erfasst werden, so etwa Echter Beinwell, Gewöhnlicher Natternkopf, Kleiner Wiesenknopf und Moschus-Malve.
Um Mäh- und Wildblumenwiesen langfristig blüten- und artenreich zu erhalten, ist je nach Wüchsigkeit jährlich nur ein ein- bis zweimaliger Schnitt mit anschließendem Abräumen des Mahdgutes erforderlich. Dadurch werden Nährstoffe ausgetragen, die Vergrasung der Fläche reduziert und damit die Blühpflanzen gefördert. Denen macht der Schnitt zum richtigen Zeitpunkt, frühestens ab Mitte Juni, nichts aus. Im Gegenteil: Ein Rückschnitt fördert den Neuaustrieb und eine zweite Blüte im Spätsommer. Um dennoch Rückzugsbereiche und pollenspendende Pflanzen für Insekten zu erhalten, sollte die Fläche nicht zu bodennah gemäht und Teilflächen oder Altgrasstreifen im Randbereich stehen gelassen werden. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Natura 2000 Station Osterland haben im Juni einen Teil der Blühwiese vor Ihrem Büro im Finkenweg gemäht, natürlich traditionell mit der Sense. Sehr zur Freude der Bewohner im Finkenweg und den dort ansässigen Turmfalken, die nach der Mahd einen freien Blick auf das reichhaltige „Insektenbuffet“ der Wiese hatten und sich sogleich daran bedienten. So kann Naturschutz vor der Haustür gehen.
