Neue Obstbäume gedeihen auf der größten Streuobstwiese im Landkreis

5. Februar 2026

Sogenannte Streuobstwiesen zum Anbau von Obst prägten noch vor einigen Jahrzehnten ganz maßgeblich unser Landschaftsbild und waren wichtig für die Ernährung der Bevölkerung. Doch das Bild wandelte sich mit den Jahren. Während die Wiesen früher selbstverständlicher Teil der Kulturlandschaft waren, gingen sie im Laufe der Zeit durch Industrialisierung und Rodungen stark zurück.

Dank eines steigenden Umweltbewusstseins und verschiedener Naturschutzinitiativen setzt jetzt aber eine Trendwende ein. Jens Lindner von der unteren Naturschutzbehörde des Landkreises sagt warum: „Streuobstwiesen sind nachhaltige Biotope, die einen wichtigen Beitrag zur Förderung von Biodiversität leisten. Sie sind Lebensraum für fast 5.000 Tier- und Pflanzenarten. Diese Wiesen zu erhalten beziehungsweise wiederzubeleben ist von unschätzbarem Wert.“

Im Altenburger Land gibt es 250, ausnahmslos sehr alte Streuobstwiesen. Die größte befindet sich in Lohma und erstreckt sich über sechs Hektar. Hier wachsen seit über einem halben Jahrhundert Apfelbäume, aktuell um die 600 hochstämmige Sorten, darunter Roter Mond, Boskoop, Weißer Klarapfel und Geflammter Kardinal. Der Eigentümer und Nutzer des Areals, das Agrarunternehmen am Leinawald, das die Fläche mit Rindern beweidet, darf sich jetzt über eine Verjüngung des Baubestandes freuen, denn bedingt durch das hohe Alter der Bäume sind inzwischen viele Lücken auf dem Gelände entstanden; nach und nach werden sie durch Neupflanzungen wieder gefüllt. Möglichkeiten, dies zu finanzieren, bieten sogenannte Ausgleichsmaßnahmen. Jens Lindner erklärt, was das ist: „Wer in die Natur eingreift, etwas baut und damit Flächen versiegelt, der muss an anderer Stelle in der Natur wieder etwas gutmachen.

Im Bundesnaturschutzgesetz ist klar geregelt, dass eine entsprechende Ausgleichsmaßnahme umgesetzt werden muss.“ Anfang Dezember traf sich Lindner gleich mit fünf zu einer Ausgleichsmaßnahme verpflichteten Vorhabenträgern auf der Lohmaer Streuobstwiese, um den Startschuss für die Pflanzung von insgesamt 35 hochstämmigen Obstbäumen zu geben. Auch Angelo Antoniolli, Chef des Altenburger Parkhotels, griff beherzt zum Spaten, um beim Setzen des ersten Bäumchens mitzuhelfen. Er hatte vergangenen April am Großen Teich ein Eiscafé mit Freisitz eröffnet – ohne Beeinträchtigung der Natur wäre das Projekt nicht umsetzbar gewesen. In Absprache mit der unteren Naturschutzbehörde entschied sich der Unternehmer schließlich dafür, im Gegenzug der Streuobstwiese in Lohma etwas Gutes zu tun.

Einen Funkmast hatte die Firma Vantage Towers, ein führender Funkmastbetreiber in Europa, unlängst in Kriebitzsch errichtet, wofür ebenfalls ein Eingriff in die Natur erforderlich war. Auch dieses Unternehmen unterstützt nun die Verjüngung der Wiese in Lohma und hatte ihren Projektleiter Marco Reißmann zur Pflanzaktion geschickt. Das Anpflanzen insgesamt realisiert schließlich die Firma 4K-Baumservice aus Langenleuba-Niederhain im Auftrag all jener Unternehmen, die eine Ausgleichsmaßnahme zu erbringen haben. „Streuobstwiesen gelten in unserer Region nach wie vor als stark gefährdet. Mit Maßnahmen, wie wir sie aktuell in Lohma umsetzen, haben sie eine Zukunft“, so Jens Lindner.