Vortrag: Strömungen – Gerhard Altenbourg zeichnet und druckt Johannes Bobrowski

Donnerstag, 24. September 2026
Bachsaal im Residenzschloss Altenburg
Bachsaal im Residenzschloss Altenburg • © Goethe Gesellschaft Altenburg e.V.

Die Kunsthistorikerin Karoline Schmidt widmet in ihrem Vortrag der besonderen Beziehung zwischen dem Altenburger Zeichner und Grafiker Gerhard Altenbourg (1926–1989) und dem Schriftsteller und Lyriker Johannes Bobrowski (1917–1965).

Im Mittelpunkt des Vortrages steht die Frage, wie sich Gerhard Altenbourg mit Bobrowskis Dichtung auseinandersetzte und wie aus dieser literarischen Anregung eine eigenständige Bildsprache entstand. Ausgangspunkt ist Altenbourgs 1969 entstandenes Mappenwerk „Über dem Strom ein Gezweig. Altenbourg Blätter zu Bobrowski“, das sich auf Bobrowskis Gedichtband „Sarmatische Zeit“ von 1961 bezieht. Für die Mappe wählte Altenbourg persönlich zehn Gedichte aus und verband sie mit Lithografien und Holzschnitten.

Altenbourg reagiert auf Bobrowskis Sprache mit unterschiedlichen druckgrafischen Verfahren: Während die Lithografie fließende Übergänge, Schabungen und das Hervorholen von Licht ermöglicht, erzeugt der Holzschnitt mit seinen tiefen Schnitten, harten Kanten und starken Kontrasten eine sprödere, verletzlichere Bildwirkung. Der Vortrag versteht Altenbourg deshalb nicht als Illustrator Bobrowskis, sondern als „bildnerischen Übersetzer“. Poetische Motive und sprachliche Bewegungen werden in Material, Linie, Druckfarbe und Leerräume übertragen.

Der Vortrag führt damit von der konkreten Zusammenarbeit zwischen Literatur und Bildender Kunst zu einer grundsätzlichen Frage: Wie können Kunstwerke Erinnerung, Geschichte und Vergänglichkeit sichtbar machen, ohne das Geschehene einfach abzubilden? Altenbourgs Arbeiten zu Bobrowski zeigen, wie aus poetischen Worten eigenständige Bilder entstehen können – Bilder, die ihre eigene Sprache entwickeln und zugleich die historische Dimension der Texte bewahren.

Die Veranstaltung findet im Rahmen des Jubiläumsprogramms des Lindenau-Museums anlässlich des 100. Geburtstages Gerhard Altenbourgs 2026 statt und ist Teil der Vortragsreihe „Ein Abend für Gerhard Altenbourg“.